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Hintersinnige „Bildwerke“

Wie mit dem Skalpell durchtrennt, so zeigen sich aufgeschlitzte Leinwände in Rot Blau und Gelb - Bilder mit den Titeln „d-structures red/blue/yellow“, nebenan halten Sicherheitsnadeln aufgeplatzte bunte Farbstränge mühsam zusammen, „punk´s not dead“ hat der Künstler Martin Resch hier sinnigerweise betitelt und so das Relikt aus der Punk-Ära ikonografisch in den Mittelpunkt gestellt.

Die Platzierung in der Wartezone der Chirurgischen Ambulanz, wo man sich auskennt mit Klammern und Nadeln, wird hier zum bewussten Spiel mit der Analogie. „Bildwerke“ nennt der Künstler selbst seine Malerei. In anderen Gängen warten auf Patienten, Besucher und Mitarbeiter grellbunte „shoppingbags“, eine „rosa salon depression“, der „himmel über berlin“, ein gefleckter „leopard“ auf orangem Grund ebenso, wie ein eher lyrisches „crossover“, ein Fenster-Kreuz-Bild in dunklen Farben.

Nomen est omen

Ein eigenes Reich des Sehens öffnet sich, nimmt man den Ausstellungs-Titel „Sehensreich“ als Nomen wörtlich, wird wiederum als neues Adjektiv zum bewussten Versprechen an Erkenntnisgewinn. Expressive Farben, abstrakte Mehrschichtigkeit in Acryl und Öl und plakative Titel wie Werbeslogans, gespickt mit Film oder Musikzitaten verleiten zum Nachdenken, Schmunzeln – und Hinsehen. Der in Bayreuth geborene „Bildermacher“, wie er sich selbst als Reminiszenz an das Handwerk in der Kunst bezeichnet, hat selbiges gelernt. Gleich nach dem Abitur nahm Martin Resch Privatunterricht beim Bayreuther Bildhauer Johann Schuierer und an der privaten Kunstschule bei Professor Hans Seeger in München. „Wir haben dort all die klassischen Techniken gelernt und hatten beim Aktzeichen ein durchaus prominentes Modell: es war die Dame, die einst auf dem 50-Pfennig-Stück abgebildet war“, gibt der heute als freischaffende Künstler lebende Wahlberliner preis. Auch seine über zehnjährige Tätigkeit als Texter und verantwortlicher „Creative Director“ bei namhaften Werbeagenturen, die sich an ein Kommunikationsdesignstudium beim Beuys-Schüler Professor Boskamp an der Hochschule für Gestaltung in Würzburg anschloss, habe Spuren hinterlassen, bekennt Resch, der sich als Laudator bewusst einen Freund und eben keinen Kunsthistoriker wünschte, denn sein Credo lautet: „Kunst ist unbeugsam. Ihr Schicksal obliegt dem Auge des Betrachters. Davor besteht sie. Wenn sie gut ist. Oder auch nicht. Das ist das absolute Kriterium.“

Kunstgenuss statt Analyse

So genoss es der Lehrstuhlinhaber für Pharmazeutische Biologie an der Universität Regensburg, Professor Jörg Heilmann, den Besuchern der Vernissage am Donnerstag einen „auf seinem Fachgebiet geradezu ketzerischen Vorschlag zu machen“, die Bilder des Freundes nicht auf ihren Sinngehalt abzuklopfen, sondern einfach in all ihrer Schönheit zu genießen. Damit war der - ansonsten für Naturstoffe und die Bedeutung für die Arzneimittelherstellung zuständige - Gelehrte auch mit der Schmach eines einstigen Schulaufsatzes über eine Bildinterpretation versöhnt, wie er schmunzelnd verriet. An den ganzheitlichen Heilungsansatz der nunmehr 46. Ausstellung der Reihe „Kunst im Krankenhaus“, erinnerte Geschäftsführer Frank Bletgen in seiner Begrüßung. Der Prior des Hauses, Pater Leodegar Klinger, freute sich über die Einladung via Kunst in den Dialog miteinander treten zu können und lud zudem ein, über die Kunstwerke und ihren Gehalt zu meditieren. Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage stimmungsvoll vom Regensburger Flötenquartett "Flutelight".  Bis zum 25. Januar 2009 sind nun die farbenfrohen Acryl- und Ölbilder in den Gängen des Krankenhauses Barmherzige Brüder Regensburg während der Besuchszeiten täglich zu sehen.

 Freude über die gelungene Ausstellung: (von links) Laudator Professor Dr. Jörg Heilmann, Kurator Reinhard Stegmaier, Künstler Martin Resch, Prior Pater Leodegar Klinger und Geschäftsführer Frank Bletgen.

 

 

28.10.08 - online redaktion

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