Großer Sohn der Stadt, unbekannt
Anlässlich seines 50. Todestages zeigt das Kunstkontor Westnerwacht mit insgesamt 44 Werken eine umfangreiche Ausstellung der seltenen, in Kleinstauflage (Unikatcharakter) gedruckten Grafiken von Josef Achmann, beginnend 1907 mit naturalistisch-symbolistischen Anfängen, über kubistisch-expressionistische Höhepunkte und ausklingend 1928 mit Arbeiten der Neuen Sachlichkeit.
Wenn man das Regensburger Kunstjahr 2008 Revue passieren lässt, wird wohl von den meisten die große Lovis-Corinth-Retrospektive „Die Geburt der Moderne“ als die „Ausstellung des Jahres“ apostrophiert werden. Eine erste Blüte dieser von Corinth mit eingeleiteten Geburt stellt der deutsche Expressionismus dar, der zwischen 1905 und 1925 in Künstlervereinigungen wie „Die Brücke“ oder „Der Blaue Reiter“, so bedeutende Künstler wie Franz Marc und August Macke hervorbrachte. Auf Augenhöhe mit Emil Nolde, Paul Klee und Lionel Feininger wurde seinerzeit deutschlandweit auch Josef Achmann gesehen.
Der 1885 in Regensburg geborene Künstler ist die kunsthistorisch bedeutsamste Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts. Von 1919 bis 1921 gab er zusammen mit Georg Britting die Zeitschrift „Die Sichel“ heraus, in der er seine grafischen Arbeiten einem breiten Publikum zugänglich machte. Dass Josef Achmann in seiner Heimatstadt mehr Würdigung verdient hätte, wurde in Kunstkreisen wiederholt bemängelt, dem half nun Emanuel Schmid vom Kunstkontor Westnerwacht ab, mit einer hochkarätigen Schau zum 50. Todestag des Künstlers. Die Ausstellung rangiert, was Rang und überregionale Bedeutung anbelangt, gleich hinter der Corinth-Schau. Vergleicht man Budgets, Marketing- und Werbeaufwand der beiden Aausstellungen, so darf erneut das Wort von der „Augenhöhe“ bemüht werden. Es gibt vieles zu entdecken in der Achmann-Ausstellung des Kunstkontors, kleine Blätter mit delikaten Grafiken, überraschenden Perspektiven, teils in Unikat-Auflage gedruckt, und die Handschrift eines Könners, der vollkommen zu Unrecht in Vergessenheit geraten scheint. Angesichts der Tatsache, dass die Ausstellung der 44 Original-Radierungen und Lithografien nur bis zum 17. Januar 2009 zu sehen ist, verleihen wir das Prädikat „Ausstellung des Monats“.
Neben den Originalwerken hat Kurator Emanuel Schmid für den interessierten Betrachter den „Loers-Katalog“ von 1979 bereitgelegt, der erstmals das Schaffen Achmanns listete. Faksimile-Ausgaben der Sichel liegen gebunden zur Ansicht aus. Beeilung! Die Frist bis zum 17. Januar will genutzt sein, Achmann zu sehen!
Lebenslauf
1885
Am 26. Mai geboren als Sohn des Hafenmeisters Michael Achmann in der Werftstraße 3 in Regensburg (heute Gasthaus „Zur Silbernen Gans“)
1895-1903
Humanistisches Gymnasium in Metten, Abitur am Realgymnasium in Regensburg
1906-1908
Westenrieder-Kunstschule und Akademie der Bildenden Künste in München
1908-1911
Freischaffender Künstler in Regensburg, Atelier im Runtingerhaus
1911-1912
Erste Ausstellungen in München (Alte Sezession und Kunstverein)
1913-1914
Studienaufenthalt in Paris
1914-1918
Soldat im 1. Weltkrieg
1917
Einzelausstellung in der Münchner Avantgarde-Galerie Hans Goltz
1918/19
Rückkehr nach Regensburg, Gründung der Zeitschrift „Die Sichel“ gemeinsam mit Georg Britting. Eine Hommage an diese Zusammenarbeit ist das Ölbild "Die Brennsuppenesser" (1919), mit einer Sichel im Hintergrund
1919
Grafikausstellung in der Münchner Galerie Hans Golz, gemeinsam mit George Grosz, Max Pechstein, Otto Mueller, Erich Heckel, Ernst Barlach, Lyonel Feininger, Wilhelm Lehmbruck, Franz Marc und Alfred Kubin
1920
Heirat mit der Staatsschauspielerin Magdalene Freiin von Perfall, die am Münchner Residenztheater engagiert war und eine private Schauspielschule leitete, zu ihren Schülern zählten Hans Baur und Peter Pasetti. Umzug nach München
1921-1935
Zunehmender Erfolg, Museumsankäufe (z.B. 1928 Bayerische Staatsgalerie) und zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen, u.a. in München, Berlin, Darmstadt, Düsseldorf, Essen, Paris, Stockholm, Oslo, Kopenhagen, Venedig (Biennale), seit 1933 stellvertretender Vorsitzender der Neuen Sezession
1935
Ausstellungsverbot und Entfernung der Arbeiten Achmanns aus öffentlichen Sammlungen durch die Nationalsozialisten
1940
Tod der Gattin Magdalena, Umzug nach Schliersee in die „Perfallvilla“
1949
Kunstpreis der Stadt München
1950
Albertus-Magnus-Medaille der Stadt Regensburg
1951 Ehrengabe der bayerischen Akademie der Schönen Künste München
1958
Am 25. Oktober in Schliersee verstorben
1979
Anlässlich des Stadtjubiläums (1800 Jahre Regensburg) umfassende Werkschau der Städtischen Sammlungen, kuratiert von Veit Loers (mit Werkkatalog)
2006
Gedächtnisausstellung „Josef Achmann – Malerei und Grafik aus der Sammlung“ in der Städtischen Galerie „Leerer Beutel“ in Regensburg
2008/09
Zum 50. Todestag Ausstellung „Josef Achmann – Holzschnitte und Radierungen 1907 – 1928“ im Kunstkontor Westnerwacht in Regensburg
Kunstkontor Westnerwacht
Weintingergasse 4
Tel. 0941 / 56 07 72
www.westnerwacht.de
Öffnungszeiten: Di – Fr 16.00 bis 18.00 Uhr, Sa 12.00 bis 17.00 Uhr
29.11.08 - online redaktion
