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Glücklich ist, wer vergisst… (?)

Theater im Stadel, das ist meist lustiges Bauerntheater, bedient meist Klischees und lässt eher Shakespeare auf Bayerisch erwarten, denn ein Stück über Demenz, Aufarbeitung der Erinnerung und komplexe, quer gerutschte Familienverhältnisse. Der Lionsclub Oberpfälzer Jura e.V. wagte das Unterfangen, anspruchsvolles Theater an einem Sommerabend auf dem „platten Land“. Bei den Kino- und Theatertagen im Laabertal stand das Schaffen Josef Rödls im Zentrum, nach dem Film „Franz – Der leise Weg“, wurde am zweiten Abend das Stück „Tage wie Nächte“ gegeben, das Josef Rödl selbst Anfang des Jahres im Metropoltheater München realisiert hatte.

Eine Frau feiert Geburtstag, ohne zu wissen wie alt sie ist. Ein Sohn stemmt sich gegen das Verschwinden seiner Kindheit. Ein Ehemann schwelgt in Erinnerungen… Eine Familiengeschichte, die uns daran erinnert, dass jedes Glück des Vergessens einen schmerzlichen Kern hat.

Auf den ersten Blick, im ersten Moment, ist man erinnert an Joop Admiraals „Du bist meine Mutter“, den 1981 uraufgeführten Mono-/Dialog für einen Schauspieler, der sich selbst und seine Mutter in schnellen Brüchen, im ständigem Wechsel spielt. Aber nur auf den ersten Blick. Denn in einem Land, in dem „Erinnern erste Pflicht“ und „Vergessen schwerste Sünde“ ist, kommt der Problematik Gedächtnisverlust auch eine kollektive Gewichtung zu.
Josef Rödls Text – und diese Leistung kann man gar nicht hoch genug bewerten – wird in der Dramaturgie von Eva Sixt zu einem vielschichtigen Monolog. Das ist nicht nur ein Kniff, der Personal einspart, so wird, auf eine Person verdichtet, das Thema Ich-Verlust personalisiert, konzentriert auf eine Identitätsfigur. Auch die Telefonstimmen vom Solisten sprechen zu lassen, tut sein Übriges, das auf sich geworfen sein zu versinnbildlichen, auf das sich, das in Auflösung begriffen ist.
Thomas Meinhardt als Arschloch-Sohn, demente Mutter (und Vater in den Traumsequenzen) schlüpft in alle Rollen, die ihm eng wie ein Handschuh auf der Haut sitzen. Beklemmend, mitunter komisch, anrührend, nie aufgesetzt oder vordergründig auf Effekte aus – eine grandiose Leistung!
Die Regie des Autors nimmt sich wohltuend zurück, wenige Versatzstücke, eine geschickte Tonregie und subtile Personenführung, die die drei Identitäten mit minimalen Mitteln zu verdeutlichen weiß, tun ihr Übriges, der beklemmenden Thematik Bühnenwirksamkeit zu verleihen.

Der Erlös der Veranstaltung (etwa 300 Zuschauer hatten den Weg in die Hammermühle Beilnstein gefunden) ging zu hundert Prozent an die Alzheimer Gesellschaft Oberpfalz e.V., die mutige Entscheidung des Lionsclubs, ein „Problemstück“ zu zeigen, war richtig!

Daneben gab es endlich wieder einmal Gelegenheit, Josef Rödl in seiner Heimat zu sehen und zu erleben. Schade – schön, dass er in Berlin und München große Erfolge feiert – dass er sich in der Oberpfalz selbst so rar macht! Gerade das Stück „Tage wie Nächte“ hätte ideal in das Haidplatz-Theater Regensburg gepasst, eine „günstige“ Produktion, die freilich einen überwältigenden Darsteller braucht, ein Thema, das immer sein Publikum findet, aber „der Prophet im eigenen Land…“

Für KULTURJOURNAL REGENSURG war Peter Lang in der Vorstellung.

 

3.08.09 - online redaktion

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