Gesang und Wort, Bild und Tanz - ausgedrückt und ausgezeichnet
Eva Demski, Georg Ratzinger, Peter Radtke, Joseph Berlinger, Renate Hünlich – sie alle haben eins gemeinsam: Sie wurden mit dem Kulturpreis der Stadt Regensburg bedacht. Nahezu alljährlich wird er für Leistungen auf den Gebieten der Literatur, Musik, bildenden Kunst und Architektur, darstellenden und ausübenden Kunst, Wissenschaft, Denkmal- und Heimatpflege sowie Fotografie und Film verliehen. Der von 1960 bis 1970 als kultureller Förderpreis vergebene und seit 1971 neu benannte Kulturpreis wird an Persönlichkeiten und Institutionen verliehen, die sich in hervorragender Weise um das kulturelle Leben der Stadt Regensburg verdient gemacht haben. Mit ihm wird ein Lebenswerk oder eine überragende Leistung ausgezeichnet. 1972, 1981, 1994 und 1997 wurden keine Preise verliehen. Traditionell werden die Auszeichnungen am Stadtfreiheitstag, der heuer am 15. November begangen wurde, überreicht. Der Kulturpreis ist mit 5000 Euro, der Kulturförderpreis mit je 1500 Euro, dotiert.
In seiner Festrede betonte Joachim Möller, Lehrstuhlinhaber und Professor für Volkswirtschaftslehre (Empirische Makroökonomie und Regionalökonomie) an der Universität Regensburg und Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg sowie von 2005 bis 2007 Leiter des Osteuropa-Instituts, das 2007 nach Regensburg verlegt wurde, wie wichtig Kultur und Kreativität für die wirtschaftliche Prosperität seien. Möller machte deutlich, dass eine gute kulturelle Infrastruktur kreative Köpfe anzieht, die ihrerseits wiederum für wirtschaftliche Prosperität sorgten. Verkürzt gesagt: Kulturförderung ist Wirtschaftsförderung. Es gibt belastbare Zahlen, dass in der westlichen Zivilisation diese Gleichung stimmt, so Möller. Eine Rede, die dem Anlass mehr als gerecht war. Möllers Worte stellten klar, die Preisverleihung darf und kann kein bloßer Society-Event sein, sie ist unverzichtbar, will Regensburg weiterhin vorne mitspielen.
Vokalensemble von Rang
Mit dem Kulturpreis 2008 wurde das Vokalensemble Singer Pur ausgezeichnet. Das A-Capella-Ensemble mit Domspatzen-Wurzeln genießt internationales Ansehen und große Anerkennung. Die Interpreten sind herausragende Kulturbotschafter der Stadt Regensburg, die eine internationale Karriere vorweisen können. CD Einspielungen dokumentieren die breite Vielfalt des Repertoires, das eine Zeitreise durch die Epochen der Musikgeschichte darstellt: von mittelalterlichen Weisen, Renaissance Madrigalen über Volkslieder bis zum Jazz und Arrangements von Sting-Songs reicht das Repertoire. 2005 erhielt Singer Pur einen Echo für eine CD-Produktion mit zeitgenössischen Kompositionen, die ausschließlich für Singer Pur komponiert wurden und 2007 für eine CD-Produktion mit neu arrangierten Volksliedern. Zahlreiche Preise und Einladungen zu Festivals belegen die herausragende Stellung der Vokalisten. Angesichts der Tatsache, dass Regensburg mit den Tagen Alter Musik Plattform auch für das Hauptrepertoire des Ensembles ist und eingedenk der Tatsache, dass man um Singer Pur ganz einfach nicht herumkommt, wenn man vom Regensburg der Gegenwart als Musikstadt spricht, war es höchste Zeit, die Sänger mit dem Kulturpreis zu bedenken. Gratulation!
Dreimal Kulturförderpreis
Christian Stang befasst sich seit seinem 15. Lebensjahr mit dem korrekten Gebrauch der deutschen Sprache. Es ist ihm gelungen, die Normen der deutschen Sprache leicht verständlich für jedermann darzulegen. Ohne Hochschulabschluss, aber mit regelrechtem Enthusiasmus, vermittelt er in seinen über 20 Veröffentlichungen die Schönheit der deutschen Sprache. In einer Zeit, in der ernsthaft darüber diskutiert wird, die deutsche Sprache im Grundgesetz zu verankern, in einer Zeit, in der ein Bastian Sick überaus erfolgreich mit diversen Publikationen für den korrekten Umgang mit unserer Muttersprache wirbt, hat Christian Stang den Nerv getroffen. Die Veröffentlichungsliste von Stang ist lang: Stattliche 36 Titel sind bei renommierten Verlagen erschienen. OB Schaidinger würdigte den Preisträger wie folgt: „Unter den Magistern, Doktores und Professoren sind Sie mit Ihrem Realschulabschluss ein Solitär unter den Sprachexperten. Beeindruckend ist Ihre exzellente Ausdrucksweise.“ Der Kulturförderpreis ist verdiente Anerkennung für den „Dudenpapst“, wie Christian Stang gerne genannt wird.
Die monochromen Bildarbeiten von Matthias Eckert waren die ersten Kunstwerke, die im nunmehr zum Künstlerhaus umgebauten Andreasstadel gezeigt wurden. In unmittelbarer Nähe zum Andreasstadel, Am Gries, aufgewachsen, präsentierte Matthias Eckert in der Baustelle Künstlerhaus als erster Kunst. Nach der Lehre als Kirchenmaler studierte er Malerei an der Akademie der Bildenden Künste München bei Franz Bernhard Weißhaar und Nikolaus Lang. Inzwischen ist Eckert selbst Dozent an der Meisterschule für Kirchenmaler und Vergolder in München. Mit etlichen Preisen ausgezeichnet, zwingt der Künstler zum genauen Hinsehen. Seine scheinbar einfachsten Formen und oftmals monochromen Arbeiten sind das Ergebnis langen Reflektierens. Klarheit, Genauigkeit und Einfachheit in konkreten Werken kennzeichnen Eckerts Schaffen. Das Ergebnis von Matthias Eckerts Schaffen ist ein unverwechselbares Raumerlebnis, dem der Stadtrat mit Recht den Kulturförderpreis zuerkannte.
Dass Regensburg sich als Kulturstandort mit der Sparte Tanztheater überregional positioniert, ist hinlänglich bekannt und wird nicht nur durch die herbstlichen „Tanztage“ und die herausragenden Leistungen der städtischen Ballett-Compagnie dokumentiert. Folgerichtig wurde der Zusammenschluss verschiedener freier Gruppen zur „Tanzstelle R“ mit dem Kulturförderpreis bedacht. Als regionales Netzwerk für modernen und zeitgenössischen Tanz und Performance in Regensburg hat sich der Verbund in relativ kurzer Zeit und ohne fremde Hilfe etabliert. 2003 von professionellen, frei arbeitenden TänzerInnen, ChoreographInnen und TanzpädagogInnen gegründet, besteht die „Tanzstelle R“ derzeit aus sechs Leitungsmitgliedern, die solo sowie in verschiedenen Ensembles und Formationen künstlerisch in Regensburg tätig sind: Eva Eger, Elisabeth Herrmann, Alexandra Karabelas, Berenica Kmiec, Wolfgang Maas und Kilta Rainprechter.
Ziel ist es, den Bühnentanz und die tänzerische Bildung vor Ort zu fördern und zentrale Anlaufstelle für freie Künstler und Veranstalter in der Sparte Tanz zu sein. Ein wesentlicher Aspekt der Arbeit ist der Einsatz für die Jugend, wie z.B. das Programm Tanz und Schule zeigt. Seit 2005 veranstaltet die „Tanzstelle R“ im Theater an der Universität das regionale Tanzfestival „Schleudertraum“. Beide Veranstaltungen finden großen Zuspruch beim Publikum. „Das, was die ‚Tanzstelle R’ so wichtig macht, ist das Netzwerk, die Zusammenarbeit mit anderen Veranstaltern und Aktiven in der Regensburger Kulturszene. Es ist erfreulich, dass um das Aushängeschild der Regensburger Performancekultur, die Tanztage in der Alten Mälzerei, ein so lebendiger und alle auf dem Gebiet des Tanzes Aktiven vereinender Zusammenschluss möglich ist, der sich hohe Ziele gesteckt hat“, so OB Schaidinger in der Würdigung.
Ausblick
Unumstritten sind alle Preis- und Förderpreisträger 2008. Kontroversen über vorgeschlagene Preisträger führten in der Vergangenheit dazu, dass die Verleihung ausfallen musste. Die deutliche Anhebung der Preisgelder – wie von der lokalen SPD gefordert – würde die Auszeichnung aufwerten. Nichtsdestotrotz macht der Kulturpreis Regensburg alle seine TrägerInnen stolz. Dass 2008 durchweg vergleichsweise junge Regensburgerinnen und Regensburger ausgezeichnet wurden, ist ein positives Signal.
Text: Peter Lang, Fotos, v.o.n.u.:
Prof. Joachim Möller, M. Kroll
OB Schaidinger und Singer Pur, Stadt Regensburg (Peter Ferstl)
Christian Stang, Jung
Matthias Eckert und Tanzstelle R, privat
12.12.08 - online redaktion
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