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Start mit Aida: Hört die Fanfaren

Wer, was, wann? Programm, Fakten, Termine, Gossip und unnützes Wissen. Bei den siebten Thurn und Taxis Schlossfestspielen geben sich wieder Weltstars die Klinke in die Hand, für zehn Tage im Juli ist Regensburg wieder das Epizentrum des Festspielfiebers. Bevor Salzburg und Bayreuth so richtig loslegen, ist Regensburg schon voll in Fahrt.

 Eine Zusammenstellung von Peter Lang

AIDA
Freitag, 17., 18., 19. Juli, 20.30 Uhr
Solisten, Chor, Ballett und Orchester der Staatsoper Breslau
Welches Musikstück erklingt in der Allianz-Arena, wenn der FC Bayern München ein Tor schießt? Als Torjingle werden momentan ein paar Takte aus dem Triumphmarsch aus der Verdi-Oper Aida gespielt. Ob die Fans die Melodie einzuordnen wissen? Entgegen der immer wieder auftretenden Legende wurde „Aida“ weder anlässlich der Eröffnung des Suezkanals 1869 noch des neuen Opernhauses in Kairo komponiert. Aida wurde an Heiligabend 1971 in Kairo uraufgeführt. Der berühmte Triumph-marsch samt Chor-Hymne dauern – je nach Temperament des Dirigenten – im Schnitt siebeneinhalb Minuten, also genau die Zeit, die Spaghetti-Nudeln benötigen, um al dente zu kochen. Zu den Kuriositäten unter den Blasinstrumenten zählen die „Aida-Trompeten“, von denen es in jedem Opernhaus welche gibt und die nur etwa anderthalb Minuten im Triumphmarsch der Oper Aida eingesetzt werden, sonst gibt es keinerlei Literatur für dieses Instrument. Viel Aufwand für wenig Musik. Verdi fand bei Plutarch eine knappe Schilderung über antike ägyptische Trompeten, deren Klang an Eselsrufe erinnerte. Und so wurde der belgische Instrumentenbauer Adolphe Sax beauftragt, eben solche Trompeten zu bauen. Adolphe Sax ist selbstverständlich der Erfinder des Saxofons. Er hatte das Instrument um 1845 erfunden und schlug Richard Wagner vor, es im Orchesterapparat zum „Ring des Nibelungen“ zu verwenden. Der lehnte dankend ab, das Saxofon wurde in Frankreich obligat in Militärkapellen und fand erstmals mit Massenets „Werther“ 1892 seinen Operneinsatz.

PIPPI LANGSTRUMPF

Sonntag, 19. Juli, 10.30 Uhr
 Astrid Lindgrens Kinderbuch als Musical vom Mecklenburgischen Landestheaters
„Sag’ mal, wie heißt du eigentlich?“, wollte Fräulein Prüsselius wissen. „Wie ich heiße?“, antwortete Pippi, „Pippilotta Viktualia Rollgardina Schokominza Efraimstochter Langstrumpf“. Pippi Langstrumpf heißt in Schweden Pippi Långstrump, im Englischen Pippi Longstocking, in Italien Pippi Calzelunghe, in Spanien Pippi Calzaslargas, in den Niederlanden Pippi Langkous und auf Französisch Fifi Brindacier. Zurück zu Fräulein Prüsselius: Pippi verballhornt den Namen zu „Prusselise“. Mal sehen, wie Durchlaucht diesen Part meistern. „Fräulein Prusselise“ nennt sich ein Trierer Modelabel, das sich kunterbunter Retromode á la Sixties verschrieben hat.

SCHWANENSEE
Montag, 20. Juli, 20.30 Uhr
Solisten und Corps de Ballet der Staatsoper Breslau
Der georgische Choreograf George Balanchine scherzte: „Man sollte alle Ballette Schwanensee nennen. Das Publikum würde kommen.“ Dabei geriet die Uraufführung im Jahr 1877 im Moskauer Bolschoi-Theater für den Komponisten Tschaikowsky zum Desaster. Choreograf Julius Wenzel Reisinger fand keinerlei Zugang zur Musik und behauptete, Tschaikowskys Werk sei schlichtweg nicht in Tanz umzusetzen. Die Schwäche der Choreografie nutzten die Tänzer, um sich selbst mit eigenständigen Glanznummer-Einlagen und Kunststückchen aus anderen Balletten in Szene zu setzen. Das Werk geriet in Vergessenheit und wurde erst 1894, nach Tschai­kowskys Tod, durch Marius Petipa und Lew Iwanow zum Triumph für Komponisten und Ballett.


ABBA MANIA
Dienstag, 21. Juli, 20.30 Uhr
 Die erfolgreichste ABBA-Show der Welt aus London
Die beiden schwedischen Sänger und Komponisten Benny Andersson und Björn Ulva­eus, die beiden „B“ im Namen ABBA, haben mit ihrem Musical „Mamma Mia“ (und dessen Filmversion) mehr Geld verdient als je im Quartett mit Agnetha und Anni-Frid. Aber was spielt das schon für eine Rolle, wenn man pro Tag etwa eine Million Euro an Tantiemen kassiert? Im Gegensatz zu „Mamma mia“ ist die „Super-Trouper-Tour“ kein Musical und kein bloßes Konzert, es ist eine mitreißende Show und „eine gute Party, bei der keiner stillhalten kann“, urteilt der Münchner Merkur. Und die Party beginnt gleich mit den ersten Tönen der Band, schon bevor überhaupt der Gesang einsetzt, brechen im Publikum alle Dämme. Nach Musical, Revue und Film gibt es jetzt auch noch ein ABBA-Museum, vielmehr eine Wanderausstellung, die die Geschichte von Schwedens legendärer Popgruppe zeigt.

JONAS KAUFMANN

Mittwoch, 22. Juli, 20.30 Uhr
Romantische Arien von Bizet bis Puccini, Peter Schröttner dirigiert die Hofer Sinfoniker
Jonas Kaufmann ist in Regensburg, zumindest aufmerksamen Theatergängern, kein Unbekannter. Parallel zu seinen Engagements am Gärtnerplatztheater München und an der Staatsoper Saarbrücken war er 1993/94 in der Operette „Eine Nacht in Venedig“ am Theater Regensburg zu sehen und zu hören, und zwar in der Partie des „Caramello, herzoglicher Leibbarbier“. Schon damals umgab ihn eine Staraura, mit herrlicher Stimme gesegnet, diszipliniert und kollegial. Und es rief vor allem ein Umstand Staunen beim Haus-ensemble hervor: Jonas Kaufmann telefonierte in jeder freien Minute mit einem Mobiltelefon so groß wie eine Brikettkohle, Handys waren damals noch eine Sensation.


MOONLIGHT-SERENADE
Donnerstag, 23. Juli, 20.30 Uhr
Die große Glenn Miller Nacht mit Andrej Hermlin & his Swinging Dance Orchestra
Fehlen nur die Knackser einer alten Schellackplatte, sonst – authentischer geht’s nicht! Die Musik der 30er-Jahre in Reinkultur – und dazu vom Styling her einfach brillant! Orches-terchef Andrej Hermlin ist der Sohn des Schriftstellers Stephan Hermlin und engagierte sich nach der Wende in der PDS, gab aber dann doch der Musik den Vorrang. Im Januar 2008 wurde Andrej Hermlin auf dem Flughafen in Nairobi wegen des Verdachts „terroris-tischer Umtriebe“ verhaftet, weil er sich mit dem Oppositionsführer Odinga getroffen hatte, der bei der Wahl Amtsinhaber Mwai Kibaki unterlegen war. Beobachter fanden Hinweise auf Wahlbetrug! Hermlin ist bekennender Nostalgiker. Von den Klängen über die Kleidung bis zu den Mikrofonen pflegen er und Band den Stil der 30er-Jahre. Andrej Hermlin fährt, ganz comme il faut einen Chevrolet Master Deluxe von 1939.

DAVID GARRETT & BAND
Freitag, 24. Juli, 20.30 Uhr
„Was ich Dir schon immer mal sagen wollte: Ich wäre die perfekte Frau für Dich! Ich trage zu Hause heimlich immer spießige Geigenspielerinnen-Jäckchen …“, so einer der zahllosen Einträge aus den Internetforen über den 28-Jährigen. Er hat die Sexyness, die Fürstin Gloria für Künstler postuliert – der Stargeiger und Pin-up-Boy der Klassikszene David Garrett. Garrett spielt abwechselnd auf einer Violine von Antonio Stradivari aus dem Jahr 1718 und auf einer Violine von Giovanni Battista Guadagnini aus dem Jahr 1772. Der Stargeiger ist seit Ende Mai 2008 im Guinness-Buch der Rekorde als schnellster Geiger der Welt eingetragen. Bei einem Auftritt in der britischen Fernsehshow „Blue Peter“ spielte er fehlerfrei den „Hummelflug“ von Rimski-Korsakow in nur 66,56 Sekunden, das sind 13 Noten pro Sekunde. Diesen Rekord brach er am 20. Dezember 2008 selbst um 1,3 Sekunden. Garrett ist übrigens ein Künstlername, in Davids Pass steht der Nachname Bongartz.


ANNA MARIA KAUFMANN (Interview)
Samstag, 25. Juli, 20.30 Uhr
Musical-Gala. Die schönsten Musical-Hits
Was ist Ihr Lieblings-Musical?
„Das Phantom der Oper“ von Andrew Lloyd Webber,damit hatte ich meinen Durchbruch. Es ist eine packende Story mit traumhaft schöner, singbarer Musik.
Dann dürfte die Partie der Christine Ihre Lieblingsrolle sein?
Nein, diese Schlussfolgerung ist nicht ganz richtig. Die Partie, die ich gerade singe oder einstudiere, die ist gerade mein Favorit.
Dann werden Sie mit Musical Diva alle Ihre liebsten Rollen vorstellen?
Könnte man so sagen. Aber es wird nicht nur Hit an Hit gereiht, es gibt verbindende Moderationen, Conferences und eigens komponierte Musik, die die Songs und Duette in eine stringente Handlung einbetten.
Welche Lieder werden wir hören?
Etwas aus Cats, König der Löwen, Elisabeth, Mamma Mia, Ich war noch niemals in New York und natürlich aus Phantom der Oper. Mich begleitet das Broadway Show Orchester und Tänzerinnen und Tänzer des Deutschen Showballetts Berlin.
Ihr Regensburg-Gastspiel ist Premiere und Tourstart?
Mehr sogar, es ist die Uraufführung. Und die unterscheidet sich von den späteren Darbietungen, sie ist opulenter. Statt vier Tänzer – wie auf der Tournee – sind 16 auf der Bühne.
Wie lange haben Sie an Konzept und Realisierung von Musical Diva gearbeitet?
Die Idee gibt es schon sehr lange, die konkreten Arbeiten an der Show haben Ende 2008 in München begonnen. Seit gut einem halben Jahr proben wir intensiv daran.
Sie waren bereits dreimal bei den Thurn und Taxis Schlossfestspielen, wie gut kennen Sie da Regensburg?
Regensburg ist eine sehr schöne alte Stadt. Ich meide zwar den Trubel und kann mich nicht vor Vorstellungen ins Shoppinggedränge stürzen, ich spaziere lieber an der Donau entlang. Was mir aufgefallen ist: Es gibt sehr viel Natur, sehr viel Grün inmitten der Stadt, das ist sehr schön. Das findet man selten.
Wie gestalten Sie Ihren Tag vor einer Vorstellung?
Zurückgezogen in absoluter Ruhe, in Meditation und Gebet.


PATRICIA KAAS

Sonntag, 26. Juli, 21.00 Uhr
Varieté-Show des französischen Superstars
Sie war die Überraschung des diesjährigen Eurovision Song Contests, sie kam gänzlich ohne Inszenierung aus, sah toll aus und sang. „Et s’il fallait le faire“ schaffte es auf den respektablen achten Platz. Patricia Kaas wurde als jüngstes von sieben Kindern in Stiring-Wendel geboren.  Vater Joseph, ein Bergmann, war Franzose,  Mutter Irm­gard Deutsche. Bis zum Alter von sechs Jahren sprach Patricia ausschließlich Saarländisch. Als 13-Jährige stand sie regelmäßig auf der Bühne und spielte und sang jahrelang in der „Rumpelkammer“, einem Saarbrücker Club. Das wäre eine gute Schule gewesen, meint „die letzte Diva“, genauso wie ihre zahlreichen Auftritte in Bierzelten, „denn die Leute kamen da ja eigentlich nur, um zu trinken. Damals habe ich gelernt, mir Gehör zu verschaffen.“
Berühmt wurde Patricia Kaas Ende der 80er-Jahre mit „Mademoiselle chante le Blues“, einem Chanson, das ihre rauchig-laszive Stimme ideal zur Geltung brachte. Patricia Kaas reicherte ihre Musik im Laufe der Jahre mit einer Vielzahl von Stilelementen an und fand so zu ihrem sehr eigenen Klang. Die charismatische Sängerin hat einen kleinen Hund, der auf „Tequila“ hört. Den Namen hat er selbst ausgesucht. Frauchen zählte verschiedene Dinge auf: „Tomate“, „Tartine“ und bei „Tequila“ bellte der Hund auf.

(mehr zu den Schlossfestspielen in Kulturjournal Regensburg Juli/AUgust und unter www.odeon-concerte.de)

 

17.07.09 - online redaktion

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