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Farbe – was sonst?

Bei E.ON Bayern stehen derzeit die Zeichen auf Kunst. Vor kurzem erhielt der Energieversorger mit Sitz in Regensburg den red dot award, am 30. Oktober verleiht das Unternehmen einen der höchstdotierten Kulturpreise und vergangenen Donnerstag eröffnete der Unternehmenssprecher Josef Schönhammer die Ausstellung von Stephan Fritsch im Kasino an der Lilienthalstraße. Stephan Fritsch, Jahrgang ´62, ist unter anderem Träger des Bayerischen Staatsförderpreises und passt daher in das Konzept des Unternehmens, das vorsieht, im Jahr zwei bis drei Ausstellungen mit Staatpreisträgern zu veranstalten.

 Stephan Fritsch ist, wie er sagt, „schon etwas in der Welt herum gekommen“, will heißen, er hat nach seinem USA-Stipendium, das ihn nach Chicago führte, Lehraufträge dort und in Cincinnati innegehabt. Er hat in Basel, Marseille, Deventer, Chicago, Peking, Shanghai und Guanghzou – um nur einige wohlklingende Städte zu nennen – ausgestellt. Und seine Werke hängen in der Münchner Pinakothek der Moderne, der National Galery in Harare, dem Kunstmuseum GuangDong und im MOMA New York. Zur Zeit arbeitet er in Regensburg, ein Atelier-Stipendium der Oswald-Zitzelsberger-Stiftung hat ihn an die Donau gebracht.

Stephan Fritsch spielt in der „Kunst Champions League“, hat aber keine Starallüren. Er ist offen, geht auf Leute zu, sucht das Gespräch. Das wünscht er sich auch vom Betrachter seiner Werke: offen zu sein, die Bilder und ihre Wirkung zuzulassen. „ganz leicht“, „von weit hinten“, „ins grüne“ – diese Bildtitel könnten also durchaus wörtlich zu verstehen sein. Die Beschäftigung mit der Farbe, nichts als der Farbe treibt ihn um. Für ihn bedeutet Malen Freiheit, die Freiheit das zu tun was er für nötig hält, nicht mit oder gegen den mainstream zu arbeiten. Künstler zu sein, so meint Fritsch, das bedeutet  auch, sich selbst zu hinterfragen, die Frage zu stellen, warum malst du das. Die Freiheit geht letztlich so weit, wenn auf die Frage nach dem „Warum“ keine schlüssige Antwort zu finden ist, den Pinsel an die Wand zu hängen.

Abstrakte Farbbilder verleiten nicht nur den Banausen zu der Aussage: „das kann ich auch!“ Stephan Fritsch bleibt dann gelassen und setzt dem Gegenüber zwei Bier aus, wenn er innerhalb von zwei Wochen auch so ein Bild produziert. Können tuns alle – hinterher – aber machen tuts keiner. Fritsch macht es aber und zwar so konsequent, dass die Laudatorin dieses Abends, Anjalie Chaubal, Yves Klein zitiert. „Farbe, was ist das?“, fragte sich schon Goethe und „Rot, was ist das?“ beschäftigt den Maler Ruppert Geiger schon seit Jahren. Die konsequente Auseinandersetzung ist es, was Kunst entstehen lässt.

Wenn Bilder an den Wänden eines Unternehmens, in dem alles perfekt funktionieren muss, von der großen Freiheit künden, dann kann dies zur Motivation der Mitarbeiter beitragen. Doch Freiheit muss erarbeitet werden, entsteht daraus, Herausforderungen anzunehmen. In dieser Erkenntnis liegen, nebenbei gesagt, die Unterscheide zwischen künstlerischem Werk und verheißungsvoller Werbung begründet.

 Stephan Fritsch – Bilder
E.ON Bayern AG, Heinkelstraße 1
bis 28. November
freitags von 15.00 bis 20.00 Uhr
samstags und sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr

 

22.09.08 - michael kroll

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