Familienfest mit Carlos
Was macht das Besondere eines Jazzfestivals aus? Was ist das Besondere an „Jazz an der Donau“? Die familiäre Stimmung – das Zusammenkommen, die Nähe zu den Musikern, der Jazz zum anfassen – wird man beim Straubinger Jazzevent sagen. Während das Regensburger Jazzweekend als „Familienfest der Jazzer“ bezeichnet wird, kann man in der Gäubodenmetropole vom Familienfest der Jazzfreude auf internationalem Niveau sprechen. Und dass dieses Jahr Carlos Santana auftritt, festigt diesen Ruf aufs Neue.
Dass Santana 40 Jahre nach Woodstock auf den Festivalgelände am Hagen spielen wird, hatte sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen. Umso gespannter war man zu erfahren, wer sich zwischen dem 16. und 19. Juli in Straubing noch einfinden wird. Die großen Namen zu erst: Till Brönner, Klaus Doldinger und Sasha. Somit war der grobe Rahmen zwischen Latin Rock, Popjazz und Krautfusion abgesteckt. Doch Jazz, das wissen alle, ist schwer zu definieren und noch schwerer einzugrenzen. Und so bleibt man sich in Straubing mit der Programmzusammenstellung dem Motto „Breite und Vielfalt“ treu.
Denn es bestimmen nicht nur Top Acts und der Mainstream das Bühnengeschehen. Die Veranstalter um Heinz und Ralph Huber haben dieses Jahr echte Geheimtipps verpflichten können. So etwa die japanische Formation Soil & „Pimp“ Sessions, die ihre Musik selbst als Death-Jazz bezeichnen – heißer, intelligenter Jazz mit einem Schuss Selbstironie. Und der Festivalsamstag bietet mit dem Richard Galliano Quartet feat. Gonzalo Rubalcaba, Richard Bona & Clarence Penn einen weiteren Grenzgänger. Er hat das Akkordeon revolutioniert und Kenner dieses Genres sprechen von einer Ära vor und nach Galliano. Wer ihn einmal gehört hat, wird sagen: „so muss Akkordeon-Musik klingen“. Gonzalo Rubalcaba (Piano), Richard Bona (Bass) und Clarence Penn (Schlagzeug), allesamt hochkarätige Musiker, werden den Weltmusiker nicht nur begleiten … Liebhaber anspruchsvollen Gitarren-Sounds kommen ebenfalls am Samstag auf ihre Kosten: Lee Ritenour ist auf unzähligen – man spricht von über 3.000 – Einspielungen zu hören. Die Zusammenarbeit reicht von Pink Floyd über Frank Sinatra bis zu Steely Dan. Aaußerdem liegen an die 40 Soloalben vor. Lee Ritenour & Band beschließen den Samstag.
Das Festival beginnt am Donnerstag mit einer Fahrt auf dem Salsaboat: „Jazz auf der Donau“ mit Klaus Bräuer mit seiner afro-kubanischen Salsa-Formation Sanmera, zu der die Lead-Sängerin Yaqueline Castellanos gehört. Das Boot legt im Hafen Straubing Sand um 19.00 Uhr zu einem drei- bis vierstündigen Törn ab.
Am Freitag steht um 21:00 Uhr Klaus Doldinger, dessen Musik allen Tatort-Fans seit Jahren den Sonntagabend „ausläutet“, auf der Bühne. Von vielen als die deutsche Antwort auf „Weather Report“ bezeichnet, bringt das Urgestein der deutschen Jazzfusion einen Popsänger mit: Sasha wird in Straubing gefeatured. Die „Erfinder“ des Acid-Jazz, „The Brand New Heavies“ werden dann ab 23:00 Uhr die Bühne am Hagen unter Strom setzen.
Am Sonntag wird es „nur“ einen Auftritt geben. Nachdem Carlos Santanas Auftritt umfassende Bühnenaufbauten notwendig macht, wird nur er am Festival-Sonntag zu hören sein. Zeit genug also die Vorfreude bis 21:00 Uhr mit Freunden und Bekannten in und vor den Zelten am Hagen zu genießen.
Genuss ist sicher auch am Samstagabend angesagt, wenn Till Brönner den Sound of Rio vom Zuckerhut an den „Fuß des Bogenbergs“ zaubern wird. Bei den Regensburger Schlossfestspielen hatte er letztes Jahr gezeigt dass er auch „richtig Jazz“ kann. Celebrate music, Spaß und Spannung lautet also auch hier das Motto, wenn der Trompeten-Senkrechtstarter mit seiner hochkarätigen Band (u. a. mit Wolfgang Haffner am Schlagzeug) aufspielt.
Jazz an der Donau
16. bis 19. Juli
Straubing
www.jazzanderdonau.de
13.04.09 - michael kroll
