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Faktor K

Mit "Der katholische Faktor" ist ein herausragendes Kunstprojekt in Regensburg (wird es die Ausstellung des Jahres?) betitel: 70 Künstler aus Polen und Deutschland zeigen ihre Werke und damit ihre Haltung zur katholischen Kirchentradition in den beiden Nachbarländern. Zweifelsohne ist die Kultur durch die katholische Kirche geprägt: in Architektur, bildender Kunst, im Stadt- und Landschaftsbild ist "die Kirche" präsent. Doch was sie uns heute noch zu sagen? Kann sie dem aufgeklären Menschen Antworten geben? Läßt sie die richtigen, die essentiellen Fragen zu?

 Kippenbergers „Frosch am Kreuz“ ein zutiefst religiöses Kunstwerk? Wie der Schmetterling als Auferstehungssymbol kann auch die Metamorphose der Kaulquappe vom Larvenstadium zum Frosch durchaus religiös gedeutet werden. Der Transformationsprozess als Hinweis auf die Auferstehung der Toten. Zahlreiche Tonfrösche als Votivgaben für die Heilige Corona in Altenkirchen bei Dingolfing (Bistum Regensburg) belegen, dass der Frosch als christliches Symbol nicht traditionslos ist. Der gemachte Skandal von 2004 im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung hätte nicht stattgefunden, wenn man diesen Sachverhalt kommuniziert hätte.

Der katholische FaktorVon daher kommt die Ausstellung „Der katholische Faktor“ zu spät. Aber sie kommt. Anstoß für die Thematik der Ausstellung gab das letztjährige Jahresmotto „Wasser und Wein“, das in seiner spirituellen Tiefe kaum ausgelotet wurde. Obzwar für 2008 geplant, wird sie erst jetzt, nicht zuletzt wegen ihrer länder-übergreifenden Konzeption, die Vorlaufzeit braucht, realisiert. Exzeptionelle Kunstwerke, ein künstlerischer Austausch mit Polen und eine – im wahrsten Sinn des Wortes – umfassende Schau, denn „katholisch“ bedeutet übersetzt: allumfassend, allgemein, ganzheitlich, all das leistet in einem lohnenden Kraftakt der Berufsverband Bildender Künstler Niederbayern/Oberpfalz e.V. mit der Ausstellung, zu der an die 70 Künstler geladen sind. Wie ist die Alltagskultur, die Baukunst, die bildende Kunst, wie ist das Kunstschaffen durch die Sozialisation in einem katholischen Umfeld beeinflusst? Auf das Aufgreifen von religiösen Symbolen allein beschränkt sich diese Wechselwirkung nicht, viel tiefer durchdringen Riten, Schauwert, Ikonografie und Kreativität. Eine spannende Zusammenschau deutscher und polnischer KünstlerInnen verspricht die von Maciek Czapski und Christian Schnurer kuratierte Ausstellung.


In der gotischen Minoritenkirche wird das Heilige, das Sakrale thematisiert, während in den Räumen der Städtischen Galerie im Leeren Beutel die Schlagworte Macht, Herrlichkeit, Gold, Blut und Hölle, Tod und Sünde ihre Visualisierung in Kunstwerken erfahren. Von Altmeistern wie Joseph Beuys und Herrmann Nitsch reicht die lange Liste der Gezeigten bis zur jungen Künstlerin Notburga Karl aus Regensburg. Wichtigster polnischer Künstler wird (neben Tadeusz Kantor, der 1990 verstorben ist) der Biennaleteilnehmer Arthur Zmiewski mit einer Leihgabe aus der Pinakothek der Moderne sein. In der Apsis wird Benjamin Bergmann die „Box von Jericho“ aufbauen.

Der katholische FaktorFür die moderne bildende Kunst in Polen ist Religion ein präsentes Thema. Glaube und Katholizismus ist mehr als eine intellektuelle Reibungsfläche in ästhetischer Ausführung. Sie ist die existenzielle Frage der Persönlichkeitsrechte. Vom Gemälde bis zur aufwändigen Installation, von der Architektur bis zur Performance ist auch das Spektrum der künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten „allumfassend“ gespannt. Ein umfangreiches Rahmenprogramm aus Konzerten und Veranstaltungen komplettiert die Schau und unterstreicht den hohen Stellenwert, der der Ausstellung „Der katholische Faktor“ beigemessen werden muss.

Zur Eröffnung am 3. April um 18.00 Uhr wird Jesuitenpater Friedhelm Mennekes, der mit der Kunststation St. Peter in Köln für Aufsehen und Kontroversen gesorgt hatte, eine Einführung geben. Am 4. April, 14.00 Uhr: Vortrag von Lech Stangret, anschließend „Tadeusz Kantor: Wielopole, Wielopole“. Am 5. April, 11.00 Uhr: Gesprächsrunde „Kunst und Kirche in Polen“ mit Gästen aus Polen, anschließend Ausstellungsführung mit den Kuratoren. Führungen nach vorheriger Anmeldung bei Cultheca, Tel. 0941.69896946.


Der katholische Faktor
Ausstellungsdauer: 4. April bis 17. Mai
Städtische Galerie Leerer Beutel, Bertholdstr. 9
Minoritenkirche/Historisches Museum, Dachauplatz 2– 4
www.der-katholische-faktor.de

Bild mitte: Plakatausriss, Bild unten: Die Kuratoren Maciek Czapski und Christian Schnurer (im Hintergrund Ludwig Bäuml) stellen mit größter Sorgfalt ein Kunstwerk von Tadeusz Kantor auf. Der 1915 geborene Pole leitete von 1942 bis 1944 ein experimentelles Untergrund-Theater in Krakau, 1959 und 1977 war er documenta-Teilnehmer und in den 70er-Jahren erlangte er mit seinen Theaterstücken Weltruhm. Zum Absurden Theater werden seine Stücke gezählt. 1990, bei den Proben zu „Heute ist mein Geburtstag“, verstarb er völlig unerwartet.)

 

26.03.09 - peter lang

Kommentare

Treffender als „Der katholische Faktor“ wäre für dieses Plakat der Titel „Der Suizid der katholischen Kirche“. Hier haben „Kunstexperten“ lange beraten, um letztlich nicht einmal den gewollten Inhalt einer solchen Ausstellung visuell sinngemäß darzustellen.
Meinte Papst Benedikt XVI zur zeitgenössischen sakralen Kunst mit seinen Worten:“………….im Gegensatz zu so Vielem, das nur den Verfall der Seele im Unglauben sichtbar macht“………. diese Ausdrucksform wie auf dem dargestellten Plakat?
Der ganze Text ist zu lesen auf dieser Webseite: http://www.niederbayern.de/de/Home/content_navigation/Kultur/Erloeserkapelle

Übrigens, der Indikator hinsichtlich des kulturellen Zustandes einer Religion ist der Totenkult, sprich Friedhöfe. Dort sehe ich nur plump polierte asiatische Massenware, die dem heimischen Steinmetz und Kunstschlosser die künstlerische Gestaltungsmöglichkeit entzogen hat. Anstatt jeden Tag einem neuen Fimmel, der meist nur vom Zweifel und nicht von der göttlichen Gewissheit spricht, zu huldigen, sollten sich die Verantwortlichen darüber Gedanken machen.

 Angerer der Ältere

hier hat sich wohl jemand die Ausstellung nicht angeschaut sondern nur zufällig den Beitrag darüber auf Capriccio, und plötzlich sieht man -selbst einem psychedelisch phantastischen Realismus aus den 70er Jahren verhaftet-das christliche Abendland in Gefahr wenn Religiöses mit Mitteln zeitgenössischer Kunst dargestellt wird.

 maximilian gumpp
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