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„Es gibt viel zu tun!“

Lange musste Regensburg auf ihn warten, den neuen Leiter der Städtischen Galerie. Seit 3. November 2008 ist er in Amt und Würden: Dr. Reiner Meyer. Peter Lang im Gespräch mit dem neuen Regensburger Ausstellungsleiter.

Herr Dr. Reiner Meyer, haben Sie sich in Regensburg schon eingelebt?
Ich habe zu alten, zu historischen Städten eine Affinität, von daher war es nicht schwer, sich in Regensburg einzuleben. Die Stadt ist sehr lebenswert. Der große Umzug mit der Familie von Oldenburg nach Regensburg steht noch an.

Kannten Sie Regensburg schon bevor Sie sich hier als Leiter bewarben?
Nein, ich war erstmals zum Bewerbungsgespräch im August hier. Die Atmosphäre hat mich spontan begeistert. Sicher ist vor Göttingen, Münster und Oldenburg, meinen bisherigen Stationen, Regensburg die Stadt mit der meisten historischen Substanz.

Wie fanden Sie die Städtische Galerie vor? Als Augiasstall? Als g’mahte Wies’n?
Letzteres sicher nicht! Es gibt viel zu tun. Mit zwei anderen Institutionen unter einem Dach muss die Galerie im Einvernehmen stehen, wir planen Kooperationen. Dr. Medard Kammermeier hat mir schon zugesagt. Passend zur aktuellen Heinz Hajek-Halke-Ausstellung zeigt die Filmgalerie Fritz Langs „Metropolis“. Künftig soll die Kooperation noch enger werden, es ist daran gedacht, Projekt bezogen auch Filme in den Ausstellungsräumen zu zeigen, nicht nur in der Filmgalerie. Auch Winnie Freisleben vom Jazzclub zeigt sich sehr kooperationfreudig.

Wie sind Sie mit dem Leeren Beutel als Ausstellungsplattform zufrieden?
Die Räume sind vielseitig. Jeder Raum hat seinen eigenen Charakter. Im zweiten Obergeschoss des Leeren Beutels wird die Lichtanlage noch hergerichtet.
Dass ich mit historischen Räumen umgehen kann, habe bereits gezeigt, mit Ausstellungen im Oldenburger Schloss, in Bremen in einer ehemaligen Kartonfabrik und auf Clemenswerth, wo ich in einem kleinen Pavillon Ausstellungen konzipierte.

Hajek-Halke mussten Sie als Projekt übernehmen. Eine Arbeit, mit der Sie sich dennoch identifizieren können?
Voll und ganz! Dr. Angerer hat die Ausstellung aus München übernommen. Ich zeichne verantwortlich für die Hängung und hatte Gelegenheit erstmals mit einem der Ausstellungsräume zu arbeiten.

Welche Ausstellung werden Sie als erste in Eigenverantwortung präsentieren?
Da bitte ich um Verständnis, dass ich hierüber noch Stillschweigen bewahren will, meine Pläne und Projekte müssen erst noch den Kulturausschuss passieren. Aber Sie erinnern sich vielleicht an die Schlagzeile nach der letzten Kulturausschusssitzung „Leerer Beutel bleibt Sorgenkind“. Diesen Zustand gilt es zu ändern. Dass das nicht so bleibt, dass sich das schnell zum Positiven ändert, dafür will ich mit aller Kraft sorgen. Ich habe sehr klare Vorstellungen, wie das gelingen kann.

Welche Ausstellungen haben Sie in Ihren ersten zwei Monaten in Regensburg schon gesehen?
In den anderthalb Monaten in Regensburg war ich auf der Vernissage des Neuen Kunstvereins im Köwe-Center bei der Schau von Zipora Rafaelov: Es war eine tolle Erfahrung, weil hier Kunst mitten im Alltag präsent ist. Während der Eröffnung sah man aus den Fenstern Leute beim Einkaufen, die neugierig guckten. Das hat mich angesprochen, das ist richtig, mit Kunst dahin zu gehen, wo das Leben spielt. Tags darauf absolvierte ich das Kontrastprogramm im Kunstforum Ostdeutsche Galerie mit der Eröffnung der Corinth-Ausstellung. Die Jahresschau im Kunst- und Gewerbeverein habe ich gesehen sowie die aktuelle Ausstellung der Kunsterzieher an der Universität Regensburg. Auch bei der Eröffnung der Dowidat-Ausstellung in der Galerie Bäumler war ich anwesend.

Nicht schlecht dafür, dass Sie erst einen Monat in der Stadt sind. Wie beurteilen Sie das Angebot an Bildender Kunst für eine 150.000-Seelen-Stadt?
Drei Kunstvereine und jede Menge Galerien – das ist nicht schlecht. Oldenburg hat zwar nur einen Kunstverein, der aber wird hauptamtlich geführt. Die Galeriendichte in Regensburg ist höher und sehr beeindruckend.

Sammeln Sie selbst? Was? Wen?
Ich habe eine kleine Sammlung an Grafik des 20. Jahrhunderts

Was hängt bei ihnen im Wohnzimmer?
Die Stiche und Grafiken hängen dunkel und vor prallem Licht geschützt in weniger frequentierten Räumen. Im Wohnzimmer habe ich Plakate von Ausstellungen aufgehängt: Heinrich Vogler, Edvard Munch, Antoni Tapies, Daniel Nikolaus Chodowiecki, Leo von König, Thomas Herbst, Horst Janssen.

Wie verbringen Sie die Feiertage?
Ganz entspannt, ohne Skiurlaub, ohne Fernreise. Ich nehme mir Zeit für die Familie, es ist kein Programm geplant, kein enger Zeitrahmen, der nur Stress verursachen würde. Während der Feiertage gehöre ich ganz Frau und Kindern.

Was gibt’s zu Essen? Wer kocht?
Meine Frau kocht. Ich wünsche mir irgendwas mit Geflügel.

Welche Musik hören Sie gern?
Ich höre gerne italienischen und französischen Barock. Deshalb freue ich mich sehr auf die Tage Alter Musik in Regensburg. Aber auch zu Rock- und Pop-Musik bekenne ich mich. Von den 70er- und frühen 80er-Jahren höre ich gerne: Genesis, Peter Gabriel, Pink Floyd, Emerson, Lake & Palmer, Clan Of Xymox, Fischer Z., Yello. Die kanadische Band Rush höre ich auch sehr gerne. Zur Entspannung mag ich auch durchaus Enya. Nach heutigen Bands befragt – Schiller, mit dem Album „Leben“, und Wolfsheim.

Waren Sie in Regensburg schon im Theater oder im Kino?
Ins Theater habe ich es leider noch nicht geschafft. Das werde ich aber baldmöglichst nachholen. Ich bin sehr gespannt auf die Regensburger Theaterlandschaft. Kino ist eine meiner großen Leidenschaften. Ich habe mir „Metropolis“ von Fritz Lang in der Filmgalerie im Leeren Beutel angesehen und bin immer wieder begeistert von der Bildgewalt dieses Filmklassikers.  

Worüber können Sie herzlich lachen?
Ich bin großer Kabarett-Fan. Die Sendungen „Mitternachtsspitzen“ und „Scheibenwischer“ mag ich. Herrlich, wenn Pointen so gezielt abgefeuert werden! Urban Priol, Bruno Jonas, Mathias Richling, Jürgen Becker, Herbert Knebel – ich bewundere die Gabe, sich auf die Bühne zu stellen und sowohl unterhaltsam als auch inhaltsreich das Publikum zu vergnügen. Dieter Nuhr halte ich für einen der Größten. Er ist ja der Einzige, der sowohl den deutschen Kleinkunstpreis als auch einen Comedy-Preis bekommen hat.

Letzte Frage: Wenn Sie drei Wünsche für Ihre Regensburger Stelle frei hätten, welche wären das?
Erstens, dass alle geplanten Projekte realisiert werden können, zweitens, dass wir den "Leeren Beutel" mit kulturellem Leben füllen, und drittens, dass es mir auch weiterhin so viel Freude bereitet, wie in den ersten sieben Wochen.

 

 

 

 

16.12.08 - peter lang

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