„Erhoben zur Ehre der Altäre“
Man sieht ihre Statuen in Kirchen und auf Plätzen, sie haben ihren eigenen Kalender, geben Straßen ihren Namen und befinden sich in Gesellschaft von mehr als 6.000 Kolleginnen und Kollegen – die Rede ist von den Seligen und Heiligen der Katholischen Kirche. Wer Katholisch ist hat meist einen Namenspatron und damit verbunden auch einen Namenstag, der in verschiedenen Regionen Bayerns auch immer noch gefeiert wird.
Früher hatte der Namenstag eine größere Bedeutung als der Geburtstag. Wenn heute Eltern auf die Idee kommen würden, ihren neugeborenen Sprössling „Eustachius“ zu taufen, gäbe es da bald sogar einen Regensburger Seligen als Namenspatron. Der Erbauer des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder, Frater Eustachius Kugler (1867-1946) wurde nämlich am 4. Oktober diesen Jahres im Regensburger Dom seliggesprochen. Diesem feierlichen Gottesdienst ging ein über 40 Jahre dauernder Prozess in Regensburg und Rom voraus. Darin wurde sich sehr ausführlich mit seinem Leben und Werk beschäftigt. Nachdem nun auch noch ein Wunder auf die Fürsprache von Frater Eustachius Kugler zurückgeführt werden konnte, gab Papst Benedikt XVI. am 17. Januar 2009 sozusagen sein o.k. zur Seligsprechung des bayerischen Ordensmannes.

Wenn in der Katholischen Kirche von Seligen und Heiligen gesprochen wird, dann ist das kein qualitativer Unterschied, ein Heiliger ist nicht besser als ein Seliger, er kann nur in der ganzen katholischen Welt verehrt werden und von Gläubigen als Glaubensvorbild genommen werden. Selige werden meist in einem bestimmten Land oder einem bestimmten Orden verehrt. Bei Eustachius Kugler ist das dann der Orden der Barmherzigen Brüder, der sich seit über 450 Jahren weltweit der Krankenpflege widmet. Aber auch für die vielen Gläubigen in Bayern, denen Eustachius Kugler ein Vorbild für ihr Leben ist, stellte die Seligsprechung ein besonderes Ereignis dar.
Die Verehrung von Menschen, die in besonderer Weise darum bemüht waren, ihren christlichen Glauben zu leben, ist fast so alt wie das Christentum selbst. Die ersten Heiligen waren über drei Jahrhunderte hin die Märtyrer, die das Bekenntnis zu ihrem Glauben sogar mit dem Leben bezahlten. Der Tag ihres Martyriums wurde dann zu ihrem Gedenktag. Als das Christentum nicht mehr durch die römischen Kaiser verfolgt wurde, waren es die unblutigen Glaubenszeugen, die bei den Gläubigen große Verehrung genossen. Menschen pilgerten zu den Gräbern der Heiligen oder die Heiligen kamen in Form von Reliquien zu den Menschen – sozusagen auf Tuchfühlung.
Eigene kirchenrechtliche Prozesse im heutigen Sinne gab es in den ersten 900 Jahren nicht. Der erste Heilige, der in einem kirchenrechtlichen Verfahren heiliggesprochen wurde, war im Jahre 993 Bischof Ulrich von Augsburg. Warum spricht die Amtskirche nun Menschen selig oder heilig, führt oft langjährige Prozesse und warum erfreuen sich viele Heilige und Selige besonderer Verehrung durch die Gläubigen? Schauen wir noch einmal auf den "frisch gebackenen" Seligen aus Regensburg, Frater Eustachius Kugler.
Der Sohn eines Dorfschmiedes aus Neuhaus bei Nittenau verunglückt kurz vor der Gesellenprüfung, sodass er sein gelerntes Handwerk nie ausüben kann. Als Hilfsarbeiter lernt er den Krankenpflegeorden der Barmherzigen Brüder kennen, deren aufopfernder Dienst an Kranken und Behinderten ihn stark beeindruckt. So tritt er selbst in den Orden ein, wird Krankenpfleger und leitet später u.a. Einrichtungen in Straubing und Neuburg an der Donau. Im Jahre 1925 wählt man Frater Eustachius Kugler dann zum Oberen der gesamten bayerischen Ordensprovinz. In wirtschaftlich bewegten Zeiten baut er von 1925 bis 1930 in Regensburg das heutige Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, getragen von dem großen Gottvertrauen, das dieses Projekt gelingen wird. Seine Rechnung geht auf. Dass man ihn bei den Festreden zur Eröffnung nicht erwähnt, macht ihm nichts aus.
Trotz seiner hohen Stellung im Orden ist ihm keine Arbeit zu gering, als das er sie nicht selbst erledigt. In der Zeit des Nationalsozialismus wird Frater Eustachius mehrfacht durch die Gestapo stundenlang verhört, Ordenseinrichtungen werden geschlossen und Mitbrüder zum Militärdienst eingezogen. Trotz seines Krebsleidens erträgt er all diese Prüfungen mit großer Geduld, gestärkt durch seinen unerschütterlichen Glauben. Am Pfingstmontag 1946 verstirbt er 79-jährig in Regensburg.
Für den Regensburger Diözesanbischof Dr. Gerhard Ludwig Müller ist Frater Eustachius ein wahrer Held des Alltags, mehr, als manch vermeidliche Helden unsere Tage. „Wenn ein Mensch sein Leben uneigennützig in den Dienst des Nächsten stellt“, so der Bischof, “dann ist das der beste Beweis für die Existenz Gottes!“
(Text: Carl Prämaßing, Bild: Frater Eustachius Kugler (1867-1946) auf einem Gemälde von Dr. med. Herbert Platzer aus Nittenau, der Heimatpfarrei des Seligen Frater Eustachius.)
8.10.09 - online redaktion
