Ein Bild verschwindet
Ein Wandbild von Klaus Caspers, 1967 für den Neubau der Bayerischen Staatsforsten angefertigt, soll weiß übertüncht werden. Das Bild "Wachstum" wurde seinerzeit ausgewählt, Caspers gewann den Wettbewerb im Rahmen der Ausschreibung "Kunst am Bau". Das 12 Meter hohe Bild, in dem organische Formen geometrische Körper durchdringen ist ein typisches Bild seiner Zeit und war für Regensburg in der Vor-68er-Ära prägend und Stil bildend. Der Künstler ist mehr als enttäuscht, viele sprechen inzwischen offen von Vandalismus.
In einer Pressemeldung nimmt Grünen-Stadtrat und Bundestagskandidat Jürgen Huber, Vorsitzender des Kunstvereins Graz, Stellung:
„Ich kann mir nicht vorstellen, wie die Verantwortlichen für eine Kunst- und Wertezerstörung argumentieren würden, wenn jemand in ihrem privaten Umfeld solchen Vandalismus begehen würde“ sagt der Regensburger Künstler und Kulturstadtrat der Grünen, Jürgen Huber zur drohenden Zerstörung eines großen und wichtigen Wandbildes des Kollegen Klaus Caspers. „Das Bild ist gut erhalten, die Farben wirken duftig und frisch, obwohl man die Wandmalerei während der Bauphase offenbar absichtlich nicht geschützt hat“ bemerkt Huber, der sich gestern auf der Baustelle das Monumentalgemälde angesehen hat. „Es wurde ja mit Steuermitteln in Auftrag gegeben“ hebt Huber hervor „auch wenn die Staatsforsten nun privatrechtlich betrieben werden, es bleibt die Verantwortung gegenüber dem, was man als Firma geerbt hat. Das sonst ansprechend neu konzipierte Gebäude hätte von Anfang an diese wertvolle Arbeit als Dokument der 60er-Jahre-Kunst in Regensburg integrieren müssen“ fordert Huber. „Kann es sein, dass wir in Regensburg einerseits so stolz auf unser kulturelles Erbe sind, andererseits einer bösen Kunstzerstörung tatenlos zusehen? Ich fordere den Berufsverband BBK auf, eine Mahnwache für das Kunstwerk auf oder vor der Baustelle zu organisieren“, sagt Huber in Richtung des Kollegen und BBK-Vorsitzenden Wigg Bäuml, der sich ja auch schon für den Erhalt des Zeitzeugnisses ausgesprochen hatte. „Im Grunde müssten alle Kunstliebhaber, Sammler, Museumsbesucher Museumsdirektoren und Galeristen und vor allem Künstler selber, vor dem Gebäude stehen und darauf aufpassen, dass es nicht zu der geplanten Vandalentat kommen kann. Erkläre mir mal einer, warum man bei der verächtlichen Zerstörung der monumentalen Buddhastatuen durch die Taliban aufschrie und hier zur Tagesordnung übergehen will“ schüttelt Huber den Kopf.
5.09.09 - peter lang
