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Dr. Caligaris erotisches Cabinet

Es gibt sie wieder: Die Regensburger Stummfilmwoche! Vier Termine sind anberaumt. Am Donnerstag, 13. August um 21.00 Uhr wird mit VARIETÈ gestartet, Musik hierzu machen Aljoscha Zimmermann und Sabrina Hausmann. DIE AUSTERNPRINZESSIN folgt am Freitag, 14. August, ebenfalls um 21.00 Uhr. Der Klassiker DAS CABINET DES DR. CALIGARI wird tags darauf geziegt, den Abschluss macht der selten gezeigte Film EROTIKON.


In einer Stadt, in der gern jeder Budenzauber zum „Mega-Event“ hochgejazzt wird, gehört das älteste Stummfilmfestival Deutschlands tatsächlich zu den jährlichen Veranstaltungen des AKF, die man nicht versäumen sollte. Vier Tage lang, vom 13. bis zum 16. August, gibt es täglich ab 21.00 Uhr im Palmenhof des Fürstlichen Brauhauses Klassiker des Stummfilms zu sehen: Duponts „Varieté“, Lubitschs „Die Austernprinzessin“, Wienes „Cabinet des Dr. Caligari“ und Machatys „Erotikon“.

Musikalisch begleitet werden die ersten beiden Meisterwerke von dem wohl besten deutschen Stummfilm-Pianisten – und Komponisten! – Aljoscha Zimmermann. Zwei Regensburger Lokalheroen, Rainer Hofmann & Winfried Kraus, orchestrieren jeweils „Caligari“ und „Erotikon“. Seit Fritz Langs Stummfilm „Metropolis“ zum „Weltkulturerbe“ ernannt wurde, hat es sich langsam herumgesprochen, dass das Kino der Weimarer Republik zu den wichtigsten kulturellen Leistungen Deutschlands im 20. Jahrhundert gehört. Gerade die viel gepriesene neue „Berliner Schule“ verdankt den Meistern jener tatsächlich „goldenen“ Epoche sehr viel, wie man zuletzt in der Dokumentation „Auge in Auge“ lernen konnte.

Moderne deutsche Melodramen wie Christian Petzolds „Yella“ oder Oskar Roehlers „Der alte Affe Angst“ sind ohne die Phantomfilme eines F. W. Murnau nicht denkbar. Und selbst bei Tom Tykwers „The International“ musste man manchmal an die filmischen Raumkonstruktionen eines Fritz Lang denken, dessen „Metropolis“ nach einem sensationellen Fund verloren geglaubter Sequenzen gerade restauriert wird. Lang und Murnau werden heuer fehlen, aber dafür stehen neben dem deutschen Horrorfilmklassiker „Das Cabinet des Dr. Caligari“ drei Raritäten auf dem Programm.

Zwei davon wird Aljoscha Zimmermann begleiten, der seit Mitte der Neunzigerjahre zu den Stammgästen des kleinen, aber feinen Festivals gehört. Zimmermann versteht sich als musikalischer Mittler zwischen der Kino-Avantgarde der Roaring Twenties und den Sehgewohnheiten der Gegenwart. Als Komplize der alten Meister führt er uns in die filmische Vergangenheit zurück, die doch so gegenwärtig ist. Selten war eine Komödie so lustig wie „Die Austernprinzessin“ mit der übermütigen Ossi Oswalda und selten zuvor war eine Kameraarbeit so „entfesselt“ wie die von Karl Freund in Duponts Melo „Varieté“. Im engen Berliner Wintergarten konnte sich Freund austoben. Und so verwandelten Dupont und Freund einen Dreigroschenroman in einen Klassiker des deutschen Kinos. Ein Schlüsselfilm der Prager Avantgarde ist schließlich Gustav Machatys „Erotikon“. Ein internationaler Erfolg von 1929, der seinem Namen wirklich Ehre macht. Selten zuvor hatte ein Film jenseits von Babelsberg einen so „erotischen“ Sog gehabt, wie dieses Melodrama des späteren „Extase“-Regisseurs.

Viktor Rotthaler
Weitere Infos: www.filmgalerie.de

 

2.08.09 - online redaktion

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