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„…dort wo Engel wohnen“

Chronisch kranke und behinderte Kinder sowie deren Geschwister sind am Samstag, 11. Oktober, zwischen 14 und 16 Uhr zu einem kreativen und integrativen Workshop ins Kunstforum eingeladen. Unter dem Motto „…dort wo Engel wohnen“ steht dieses Mal das Thema „gotischer Dom“ im Mittelpunkt - ein äußerst beliebtes Darstellungsmotiv in der Kunst.  Wie sieht eine Kathedrale denn aus? Was wird hier gemacht und wer besucht sie? Diesen Fragen gehen die Teilnehmer anhand der Werke der Schausammlung nach und sehen dabei, wie die Künstler vom 19. bis zum 21. Jahrhundert einen Dom dargestellt haben und darstellen. Im Anschluss werden sie selbst kreativ tätig: Alle Kinder malen ihr eigenes buntes Kirchenfenster, das sie gleich mit nach Hause nehmen können.

Termin: Samstag, 11. Oktober, 14 bis 16 Uhr
Eintritt: frei (für Kinder und je eine Begleitperson). Der Kurs ist für 7- bis 15-jährige Kinder geeignet. Die Anmeldung erfolgt unter Tel. 0941 / 297 14 0. 

 Interview zu dem Workshop „Kleine Künstler treffen große Kunst“ mit Frau Weinbecks (wohnhaft in Regensburg), deren Sohn Michael (15) das Down-Syndorm hat. Er hat am 1. Juni am ersten Kurs „Kleine Künstler treffen große Kunst“ zum Welterbetag teilgenommen. Einen Monat nach der Veranstaltung erinnert sie sich an den Workshop:

Frau Weinbeck, wie haben Sie von dem Kursangebot im Kunstforum erfahren?

Ich habe in einer lokalen Zeitung darüber gelesen. Wir wollten damals mit Michael zum
Welterbetag gehen. Allerdings dachten wir, die Stadt wäre überfüllt und wir suchten
gleichzeitig etwas, was Michael besonders ansprach. Insofern hat sich der Workshop direkt angeboten.

Was haben Sie von dem Kurs erwartet?

Die Idee, einen integrativen Workshop direkt im Museum zu veranstalten fanden wir prima. Zumal die Kinder hier direkt mit Kunst in Berührung kommen. Wir hatten zuerst sehr wohl Bedenken, ob die Betrachtung von Gemälden das Richtige für Michael ist. Es gab also auch eine Anfangsskepsis. Begeistert waren wir aber vor allem von der Idee, dass die Teilnehmer auch selbst ein kleines Kunstwerk gestalten.

Und wie war ihr erster Eindruck?

Wir waren überrascht, wie sensibel die Museumspädagoginnen mit den Teilnehmern
umgegangen sind. Sie haben die Bilder mit einfachen Worten erklärt, Indem sie einfache Fragen zum Bild gestellt haben, haben sie zugleich die Teilnehmer mit in die Betrachtung eingebunden und zum Mitmachen motiviert. So konnte sich eine sehr gute Gruppendynamik entwickeln.

Haben Sie Michael bei dem Kurs begleitet?

Ja, anfangs haben wir uns der Gruppe angeschlossen, natürlich auch weil wir neugierig waren. Für uns als Eltern war es aber toll zu sehen, dass Michael sehr gut alleine bei dem Workshop klarkam und interessiert mitmachte. So haben wir uns nach ca. 20 Minuten zurückgezogen. Es war ja Michaels Kurs, und wir wollten ihm nicht das Gefühl geben, ihn zu überwachen. Außerdem war die Gruppendynamik unter den Kindern wunderbar.

Was würden Sie sagen, ist der Unterschied zwischen diesem Workshop und einem Workshop, den Michael mit der Schule besucht?

Aus seiner Schule kennt Michael es, an kreativen Workshops teilzunehmen. Es war es uns aber wichtig, dass Michael hier etwas selbständig – außerhalb des Schulrahmens - macht. Tatsächlich war es etwas ganz Neues, außerhalb des Klassenverbandes
an einem solchen Kurs teilzunehmen. Michael musste sich darauf umstellen, etwas
gemeinsam mit fremden Kindern zu machen. Da alle allerdings sehr offen waren, war das überhaupt kein Problem. Ich denke, diese Erfahrung hat ihm ein Stückchen Selbstbewusstsein vermittelt. Der Kurs ist eine abwechslungsreiche Erfahrung außerhalb der Schule.

Wie hat es Michael denn gefallen?

Der Workshop war ein unterhaltsamer Nachmittag und eine wunderbare Erfahrung für ihn. Es hat ihm gut getan, ganz ohne Begleitung mit vielen anderen Kindern teilzunehmen. Er war auch sehr an der Kunst interessiert. Direkt nach dem Kurs kam er freudestrahlend zu uns und zeigte uns stolz sein Bild. Das hat in der Wohnung sofort einen Ehrenplatz gefunden und ist eine schöne Erinnerung an den Workshop.

Denken Sie, dass Michael auch etwas gelernt hat?

Ja, definitiv. Bei der Führung ging es ja immer um das genaue Hinschauen und das Erkennen von einfachen Dingen. Das hat Michael sicherlich gefördert. Dennoch haben wir den Kurs nicht als Therapiestunde begriffen. Vielmehr war es ein schöner
unterhaltsamer Nachmittag, bei dem Michael Kunst kennen lernen konnte und kreativ
gefordert wurde. Es war ein absolut annehmbares Maß an pädagogischer Förderung und
Unterhaltung.

Was hat Ihnen als Eltern an den Kurs besonders gefallen?

Wir fanden es sehr gut, dass der Kurs integrativ ist, also sowohl behinderte als auch
nichtbehinderte, kranke und gesunde Kinder teilnehmen. Das ist wichtig, weil hier eine
Grenze durchbrochen wird, die sonst in der Gesellschaft besteht. Als Eltern hat uns auch besonders gefallen, dass Michael aber auch gut aufgehoben war. Wir konnten Michael beruhigt teilnehmen lassen und in der Zwischenzeit das Museum anschauen und am Welterbetag sogar Kaffe und Kuchen (im Cafe unter den Linden“ 50 m neben dem Museum) vor dem Museum genießen.

Würden Sie wieder zu einem weiteren Kurs kommen?

Ja, wenn es terminlich passt, bringen wir Michael jederzeit wieder zu dem Kurs.

 

29.09.08 - online redaktion

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