Domspatzen singen „Elias“
Kritik von Michael Scheiner
In einer Vorpremiere oder „Generalprobe“ wie prosaische Pragmatiker anmerkten, haben die Regensburger Domspatzen und die Akademie für Alte Musik Berlin mit Felix Mendelssohn Bartholdys „Elias“ im Audimax einen triumphalen Erfolg verbucht. Das Eröffnungskonzert zu den 24. Tagen Alter Musik einen Tag später in der Dreieinigkeitskirche war bereits lange vorher ausverkauft, eine weitere Aufführung – bis auf wenige freie Plätze ebenfalls bestens besucht – daher fast zwingend. Die nüchtere Atmosphäre des Audimax mit seiner inzwischen akzeptablen Akustik konnte der Dramatik und mitreißenden Intensität von Mendelssohns großem Oratorium und der Innigkeit der Gotteszuwendung nichts anhaben.
Unter der Leitung von Domkapellmeister Roland Büchner boten Solisten, Chor und Orchester einen schlanken, kraftvollen und dennoch ein wenig zurückgenommenen „Elias“. Damit hinterließ er einen wunderbar homogenen und geschlossenen Gesamteindruck. Markus Volpert verlieh dem Propheten Elias in seinem unerbittlichen Kampf gegen die Anbetung Baals und für seinen Gott Jahwe mit seinem vollen, klaren Bariton ein couragiertes und gleichzeitig menschliches Antlitz. Vor allem dessen Gang in die Wüste – „Es ist genug!“ – kleidete er in eine anrührend gedrückte und erschöpfte Stimmung, die selbst atheistische Freigeister und ketzerische Ungläubige in tiefster Seele
anrühren musste. Die weiteren Solisten, Katharine Fuge Sopran, Hildegard Wiedemann Alt und der ehemalige Domspatz Maximilian Schmitt (Tenor) standen dieser bestechenden Leistung in nichts nach. Lediglich Wiedemann geriet der Einsatz das ein oder andere Mal eine Spur zu leise, während Fuge mit einem runden, erstaunlich weichen Ansatz ihrer vibratoarmen Stimme Herzen und Ohren des Publikums bezauberte. Von Ehrfurcht erfüllt (Wohlan denn, gehe hinaus…) nahm sie Elias als Engel mit zärtlichen Nuancen in der Stimme an der Hand, um ihm zu zeigen, dass Gott ihn keineswegs verlassen hat. Mit unerhörter Leichtfüßigkeit und lebhaftem Zug schmiegte sich das Orchester förmlich an die Stimmen an, umfing sie und trug den – an sich schon erhebenden – Chor in himmelsnahe Gefilde. Eine Meisterleistung, bei der das Pathos in „Danket dem Herrn“ trotz oder vielleicht sogar wegen seiner geringen Opulenz so überwältigend wirkte wie der furiose Schlusschor. Eine besondere Erwähnung, bei aller fein nuancierten und abgewogenen Ensembleleistung der Domspatzen, war das Solo des „Knaben“, der mit glockenheller und sicherer Stimme das ganze riesige Auditorium mühelos einnahm. Ein glanzvolles Konzert, welches das graue(nvolle) Audimax in einem etwas helleren Licht erstrahlen ließ.
17.05.08 - online redaktion
