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Die Goldene Mitte

Symbolträchtiger könnte die Einigung der Regensburger Stadtratskoalition auf den Standort des zukünftigen Kultur- und Kongresszentrums nicht sein: Etwa auf halber Strecke vom SPD-Favoriten Friedenstraße und dem CSU-Favoriten Donaumarkt liegt der, nun als bester Standort gekürte, Ernst-Reuter-Platz. Symbolträchtig auch deshalb, weil beide großen Volksparteien mit dieser Entscheidung „Federn lassen mussten“ und der, jahrelang von den Freien Wähler bevorzugte, Ernst-Reuter-Platz der Sieger nach Punkten im Standortrennen wurde.

 Christine Schimpfermann, die Regensburger Baureferentin, ließ noch einmal alle acht Standorte vor den anwesenden Ausschussmitgliedern, der Presse, einigen Bürgern und viel Verwaltungspersonal Revue passieren. Am Ende des Tages viel die Benotung der Standorte mit 2,6 für den Ernst-Reuter-Platz vor dem mit 2,9 bewerteten Unteren Wöhrd aus. Das Grundstück am Regensburger Alleengürtel ist zwar knapp halb so groß  (etwa 10.000 Quadratmeter) wie die übrigen Kandidaten, doch das Raumprogramm sei auch dort zu realisieren. Das aus den 90er-Jahren stammende Raumprogramm ist laut Bauchefin Schimpfermann heute noch immer „auf der Höhe der Zeit“ und wurde nur zu Gunsten vergrößerter Foyer-Flächen modifiziert: Neben den etwa 4.000 Quadratmetern Foyer-Flächen, die auch für Ausstellungen genutzt werden sollen, sind ein großer, ein mittlerer und ein kleiner Saal sowie eventuell ein Hotel mit 120 Betten geplant. Geht es nach dem Willen von SPD-Fraktionschef Norbert Hartl soll der Komplex bis 2012 stehen.

 Zunächst sind jedoch noch einige Hürden zu nehmen: Das Grundstück befindet sich noch nicht in öffentlicher Hand, die Umlegung des Busbahnhofes muss geplant, die Verkehrsführung zwischen Bahnhof und Altstadt neu organisiert werden. Ein im Planungsgebiet vermuteter jüdischer Friedhof und die notwendige Fällung von etwa 40 Bäumen könnten weitere Steine auf dem Weg zum lang ersehnten Veranstaltungszentrum sein. Sollten diese Steine zu unüberwindlichen Klippen werden, dann „geht es sofort am Unteren Wöhrd“ mit den Planungen weiter, so CSU-Fraktionschef Christian Schlegl.

Die Standortfrage ist somit geklärt, doch was wird mit dem sogenannten RKK inhaltlich verbunden sein? Wird hier eine Halle oder ein Haus entstehen? Ein Haus verlangt nach einem inhaltlichen Konzept, nach einem attraktiven Profil, nach einer Intendanz. Welche Veranstaltungen möchte man nach Regensburg holen? Wird man sich im kulturellen Sektor einen überregionalen Namen machen können? Die Konzeption scheint stark auf den Kongressteil ausgerichtet zu sein. Helmut Baum bei der Erläuterung seiner Funktionsanalyse: „Jeder Kongress ist nur so gut wie sein Standort.“ Doch mit Kongressen schafft man kein „Begegnungszentrum“, mit Kongressen schafft man sich keinen kulturellen Mehrwert.

Ein Blick nach Linz, ins Brucknerhaus [<]oder nach Wien ins Museumsquartier [<] könnte hilfreich sein, wenn über das Inhaltliche zu befinden sein wird.

(Foto oben: SPD-Fraktionschef Norbert Hartl im Gespräch mit CSU-Oberbürgermeister Hans Schaidinger
Foto unten: Raum- und Funktionsstudie RKK)

 

9.10.08 - michael kroll

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