Der freie Raum im Aquarell
Kunstwerke, in denen das Weiß des Papiers mitgestaltet, deren Lichthaltigkeit als Charakteristikum gilt und die „aus Wasser entstanden“ sind, diese Kunstwerke – das weiß inzwischen auch der kunstinteressierte Laie - können nur Aquarelle sein. Er kennt allerdings nicht, so mutmaßen die Kuratoren der neuen Herbstausstellung in der Zentrale der Sparkasse Regensburg (Lilienthalstraße), die Vielseitigkeit in Technik und Ausdrucksformen der Aquarellfarben. "Aus Wasser entstanden", so übertitelt die Sparkasse, in Anlehnung an das vom Kulturamt ausgegebene diesjährige Motto "Wasser und Wein", ihre Präsentation von 30 Exponaten, in der sie vier namhafte Künstler aus dem ostbayerischen Raum vorstellt: Bertold Kraus, Mario Schoßer, Fred Ziegler und Annegret Hoch. Gemeinsam ist ihnen eine akademische Ausbildung und ein breites Spektrum künstlerischer Techniken.
Als Aquarelle lassen sich streng genommen nur die Bilder von Mario Schoßer aus Landshut erkennen. Auf großformatigen, leicht getönten Papieren, sind in mehreren, stark verdünnten Schichten, Figuren übereinander lasiert, die in Bewegung zu sein scheinen, quasi als flimmernde Fata Morganen über dem Boden schweben. Schoßer sieht Parallelen zur Glasmalerei, bei der die Farbe durch Hitzeeinwirkung mit dem Glas verschmilzt, auch hier sind die freien Flächen als Gestaltungselement so wichtig wie die farbigen.
Kompakt, dicht und undurchdringlich sind dagegen die eher kleinformatigen Bilder von Fred Ziegler, der seit mehr als 20 Jahren in Parsberg lebt und arbeitet. Sein Verfahren des Aussparens mittels Spezialklebers schafft eine Struktur, die mit herkömmlicher Aquarelltechnik nicht zu erreichen wäre. Sein Werke, alle von Gelb dominiert - Gelb ist sein Markenzeichen, sein „Beruf“, wie er selbst sagt - sind in Mexiko in Auseinandersetzung mit der Schrift der Mayas entstanden. Die ästhetisch ansprechenden Gebilde tragen so geheimnis- wie klangvolle Titel wie „Frau Yax Nik-Ya Xol – Caye Calker, Belize“.
Berthold Kraus setzt sich mit Räumen in Stadt und Landschaften auseinander. Einige seiner Motive sind als Scherenschnitte gearbeitet, die nicht auf weißem Papier liegen, sondern so viel Abstand zum Untergrund halten, dass sie deutliche Schatten erzeugen, was die Illusion von Dreidimensionalität schafft. Seine Städte und Landschaften sind aus der Vogelperspektive zu sehen, für den Betrachter wird die Spielzeugwelt eine weit entfernte, abstrakte Struktur.
Auch Annegret Hoch aus Cham arbeitet vorwiegend raumbezogen. Aus grafischen Elementen oder Mustern, die sich beispielsweise auf Tapeten und Teppichen finden, entwickelt sie ein raumbezogenes Konzept. Wände, Decken, Türen und ganze Treppenhäuser bekommen ein neues Gesicht durch die farbenfrohen, rhythmisch angeordneten Gefüge. Ihre kleinformatigen Bilder im Foyer der Sparkasse in der Lilienthalstraße geben neben einer Rauminstallation einen Eindruck ihrer Arbeitsweise.
Dr. Andreas Schalhorn, Kunsthistoriker und Kurator am Kupferstichkabinett in Berlin, betonte bei der Eröffnung die „Spontaneität, Unmittelbarkeit und Frische“ der Aquarelltechnik, Korrekturen seien nach dem Trocknen der Farbe nicht mehr möglich.
Umrahmt wurde die Ausstellungseröffnung am Donnerstag 25. September mit musikalischen Beiträgen von Stefan Göler und Richard Kattan - den Regensburgern wohl bekannt - ebenso wie Gudula Zientek (Pupille Schief), die mit ihrer „Komposition Rot“ zeigte, was von einem Künstler übrig bleibt, wenn er sein Innerstes nach Außen kehrt, es präsentiert und sich selbst dabei – ganz ohne Wasser – im Werk auflöst.
Ausstellung im Foyer der Sparkassenzentrale, Lilienthalstraße 5
Bis 12. Dezember 2008 zu den Geschäftszeiten.
29.09.08 - regine arends
