Denken und shoppen
Der 14. September hat es wieder in sich: "Aufgedeckt" ist das Thema des diesjährigen Tag des offenen Denkmals. Ein umfangreiches Kinderprogramm mit "Baukasten" im Thon-Dittmerhof, einem Forschensandkasten am Donaumarkt (Rasenskultur) und einer Fotoralley bieten auch für die Jüngeren ein interessantes Programm. 52 Objekte (zum Programmheft) öffnen heuer die Türen für Neugierige und Interessierte. Aber nicht nur die Türen zur Geschichte sind geöffnet, die Altstadt und einige Großmärkte laden zum sonntäglichen Einkaufen (Neudeutsch: shoopen).
Vom Römerlager in die shopping-zone
Alljährlich jeden zweiten Sonntag im September spielen sich in den Straßen Regensburgs wunderliche Szenen ab. Schon frühmorgens bilden sich vor Türmen und Toren Menschenschlangen, die mit Geduld auf Einlass und damit einen Blick auf sonst dem Publikum Verborgenes warten. Der Ansturm auf die Denkmale im Weltkulturerbe Regensburg ist groß, größer als in vielen anderen Städten. Und noch eine Attraktion erwartet die Besucher an diesem Sonntag: offene Ladentüren. Denn ebenso wie die über 900 geschützten Denkmäler im Ensemble Regensburg und Stadtamhof, sind viele der kleinen und zum Teil inhabergeführten Altstadtläden wahr Schatzkästchen. Wer also das Glück hat, den zweiten September Sonntag in Regensburg zu verbringen, kann sich mit der frühesten Geschichte ebenso wie mit einem Einkaufsbummel unterhalten.
Offene Denkmäler
Was 1984 mit der Initiative „Journées Portes ouvertes monuments historiques“ des französische Kulturministers Jack Lang begann, griff 1991 der Europarat auf und rief die European Heritage Days aus, was sich zwei Jahre später durch die „Deutsche Stiftung Denkmalschutz“ in der Einrichtung des „Tags des offenen Denkmals“ niederschlug. Ziel des bundesweit begangenen Tags ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes und das Wecken des Interesses für die Belange der Denkmalpflege.
Seit 1999 wird der „Tag des offenen Denkmals“ regelmäßig unter ein Leitthema gestellt. Standen 2006 „Gärten und Parks“ im Mittelpunkt und 2007 „historische Sakralbauten“, so ist der 14. September 2008 ganz der Archäologie gewidmet: „Vergangenheit aufgedeckt - Archäologie und Bauforschung“, lautet das Thema. Das Regensburger Programm, das mit Führungen Einblicke in die zum Teil schwer oder gar nicht zugänglichen Bauten und historische Stätten bietet orientiert sich auch am kulturellen Jahresthema „Wasser & Wein“.
Archäologie beschäftigt sich mit Ausgrabungen und da gibt es in Regensburg wahrlich genug zu tun. Den zum Teil mehrere Meter dick sind die verschiedenen Kulturschichten, die Aufschluss auf das Leben unserer Vorfahren bis hin in die Römerzeit geben. Funde aus der Römerzeit beherrschen das Grabungsergebnis in Regensburg zweifelsohne. Wie tief die Mauer um das römische Legionslager tatsächlich im „Kulturschutt“ vergraben ist, lässt sich derzeit an der Baustelle des Parkhauses am Dachauplatz, unter dem die östliche Begrenzung des Lagers entlangläuft, ablesen. Aber es sind nicht nur Römerfunde, die in Regensburg zu Tage treten. Als vor einigen Jahren im Minoritenweg mit dem Neubau von Stadtwohnungen begonnen wurde, entdeckte man sogar Funde aus der Keltenzeit - geschätztes alter der beiden Keltengräber etwa 2400 Jahre.
Und auch außerhalb des historischen Regensburgs wird gebuddelt und gescharrt. Im Ortsteil Kumpfmühl entdeckte man sogar Gräber aus der Linearbandkeramischen Kultur. Skelette, ein Steinbeil, eine Kette mit Muscheln vom Schwarzmeer und eine geschliffene Perle. Bestattungsbeigaben aus den Jahren 5000 vor Christus. Ein ständiges Betätigungsfeld für Archäologen ist auch das 1976 eingemeindete Burgweinting. Im Zuge der Baugebietserweiterung sind umfangreiche Grabungen durchgeführt worden. Der Initiative „Entente Florale“ sind ein Lehrpfad mit 52 Stationen zu verdanken: Ein schöner Tagesausflug ins grüne Regensburg der seinen Ausgangspunkt in der Allee an der D.-Martin-Lutherstraße nimmt. In Burgweinting ist auch eine ehemalige villa rustica - besser gesagt ihr Umriss und die Grundmauern der Gebäude - mit Bepflanzungen nachgezeichnet. Und noch ein Tipp: ganz in der Nähe der römischen villa rustica wird derzeit in historischer Arbeitstechnik ein Bajuwarenhaus erstellt.
Einen sensationellen Grabungsfund stellte auch die Ausgrabung von 624 Goldgulden unter dem Neupfarrplatz dar. Im Zuge von Umgestaltungsmaßnamen stieß man auf die tiefliegenden Überreste des 1519 zerstörten Jüdischen Ghettos und unter einem Kellerboden waren die Goldmünzen verborgen. Die Grabungsstätte ist heute als document Neupfarrplatz mittels Führungen zu besichtigen. Und die Fundamente der einstigen jüdischen Synagoge wurden von Dani Karavan in reinsten weißen Betonblöcken nachgezeichnet. Eine Begegnungsstätte entstand, ganz im Sinne des international renommierten israelischen Künstlers Karavan. Das offizielle Programm wird in der Tourist-Information ausliegen.
Offene Läden
Mit der Begegnungsstätte haben wir den Bogen zum verkaufsoffenen Sonntag geschlagen, denn oft werden die Betonteile des „Misrach“ als Sitzgelegenheiten für Eisleckende Altstadtflaneure genutzt. Regensburg gilt als die nördlichste Stadt Italiens und der Flair der Stadt lässt sich am besten bei einem Bummel durch die Altstadtläden, Cafés und Lokale genießen. Die Öffnungszeiten der deutschen Geschäfte sind gesetzlich geregelt. Kirche und Gewerkschaften sind selten einer Meinung, aber bei dem Schutz des arbeitsfreien Sonntages sind sie sich einig. Sogar das Autowaschen an Sonntagen stößt im katholischen Bayern auf starken widerstand. Nur zu ganz besonderen Anlässen wird eine Ausnahme gewährt. Eine ist der verkaufsoffene Sonntag, der dieses Jahr auf den 14. September fällt. Dieser Handelssonntag stellt auch gleich das Finale der Werbeaktion „Heiß auf Regensburg“ dar. Die Initiative der Werbegemeinschaft Regensburg wird vom Stadtmarketing Regensburg umgesetzt und läuft insgesamt 13 Wochen. Altstadtkaufleute und die großen Einkaufzentren wie das DEZ und die Arkaden sowie die Großmärkte Ikea, Hiendl und Media Markt halten die Türen für die Besucher offen.
Infos: www.regensburg.de/welterbe
www.tag-des-offenen-denkmals.de
www.heiss-auf-regensburg.de
12.09.08 - online redaktion
