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Corinth ist da!

„Corinth ist da!“ – das darf durchaus wörtlich genommen werden. Auch wenn strittig ist, ob sich der Meister selbst in seinem Sensationsbild „Salome“ dargestellt hat, so ist Lovis Corinth doch in vielen Selbstporträts in der am Sonntag, den 9. November eröffnenden Ausstellung präsent. 102 Gemälde des „Grenzgängers“ und „konservativen Modernen“ Corinth sind im Kunstforum Ostdeutsche Galerie zu sehen. Auch wer mit Begriffen wie Impressionismus und Expressionismus wenig anfangen kann, auch wer weder in der Mythologie noch in der christlichen Ikonographie  bewandert ist, den wird Corinth berühren, den werden die zum Teil riesigen plakat- und comicartigen Bilder faszinieren. Denn Corinth ist bei aller Tragik, dem Hang zu schweren Stoffen und persönlichen Krisen auch immer wieder komisch.

 Die Direktorin des Kunstforums Ulrike Lorenz, die auch die Corinth-Schau kuratiert hat, machte in einer Führung für Pressevertreter diesen Aspekt deutlich: Wenn uns in den großen mythologischen Schicken „Frau Müller und Herr Meier“ entgegenblicken, wenn er sich selbst als Stier an einem rosa Bändchen von Frau Charlotte an der Nase herumführen lässt oder wenn im höchsten Leidensmoment – im „großen Martyrium“ – ein Bauernlümmel rotzfrech das Geschlecht des Gekreuzigten betrachtet, dann fühlt man sich der Karikatur, dem Comic nahe. Corinth ist nicht nur, wie Frau Dr. Lorenz anführte, „durch seinen Eklektizismus modern“ er ist sogar voll im Trend. In einer Zeit wo tausendfach montiert, collagiert und remixed wird und auf Youtube jeder Mensch zum Künstler wird, zeigt sich Corinth als Vater dieser Recycling-Technik.

„Meine Bewusste Überzeugung war, die deutsche Kunst auf eine höchste Stufe zu bringen“, ist eines der Corinth-Zitate, von denen in jedem Ausstellungsraum eines zu sehen ist. Und auch wenn seine Kunst nicht immer diesem Anspruch gerecht wurde, wenn den Bildwerken zum Teil die Karriereplanung des Malers anzumerken sind, so hat er es doch im eigentlichen Sinne geschafft: ein Werk zu hinterlassen, bei dem gelacht und geweint werden kann, in dem der Betrachter, ohne auf intellektuelle Umwege geführt zu werden, direkt angesprochen wird und auf der höchsten Stufe der Maler nicht selbst als Gott sondern als vergängliches Wesen vorkommt.

 Die Ausstellung, die Hauptwerke zeigt, die bislang der Öffentlichkeit nicht oder
kaum bekannt waren, wie das Werk „Lebensalter I“ (1904) oder der sogenannte Katzenellenbogen-Zyklus, wird von einem abwechslungsreichen Programm begleitet. So finden im Rahmen von „Kunst & Eros“ noch sieben Vorträge statt. Der Regensburger Energieversorger REWAG veranstaltet am 14. November seine „Blaue Nacht“ und am 30. November sowie am 13. Januar bietet das Restaurant Orphée einen Genuss für Augen und Ohren: eine exklusive Führung mit Abendessen. Zur Ausstellung ist ein, wie Mitherausgeberin Ulrike Lorenz sagte, Katalog der zum Standardwerk geriet, erschienen.

 Am 9. November 2008 eröffnet die Retrospektive „Lovis Corinth und die Geburt der Moderne“ im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg. Mit 102 Gemälden auf mehr als 1.200 Quadratmetern Ausstellungsfläche ist die Regensburger Ausstellung die größte Station des deutsch-französischen Ausstellungsprojekts zum 150. Geburtstag des großen Grenzgängers. Zehn thematisch gegliederte Räume laden nach dem Musée d’Orsay und dem Leipziger Museum der bildenden Künste nun im Kunstforum Ostdeutsche Galerie bis 15. Februar 2009 zum Besuch ein. Es werden 30.000 „oder auch ein bisschen mehr“ Besucher erwartet. Die Regensburger Ausstellung konnte durch das Engagement der Sparkasse, der REWAG und der BMW Group realisiert werden.

Weitere Infos: www.kunstforum.net [>] und hier [<].

(Text und Fotos: Michael Kroll)

 

7.11.08 - michael kroll

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