Bilder eines Fettfetischisten
Kleinschmidts weibliche opulente Figuren im Milieu zwischen Café, Varieté, Zirkusmanege und Künstler- garderobe brachten ihm den Beinamen „proletarischer Rubens“ (Julius Meier-Graefe) ein. Es sind diese Milieu- schilderungen, die im Mittelpunkt der Ausstellung „Lust an der Malerei“ stehen. Daneben zeigt die Schau, die mit Hilfe der Paul Kleinschmidt-Gesellschaft e.V. in Ulm. Entstand, eine repräsentative Auswahl an Stillleben und Landschaften des Künstlers. Eröffnung der Schau ist mit der Museumsnacht 2009, der Eintritt ab 20.00 Uhr ist frei.
Berlin zwischen Bar und Boudoir: Kleinschmidts großstädtischer Figurenkosmos
Ich will versuchen, eine Synthese der Götter von heute zu geben, einen riesigen Turm von Fressereien und Weib sowie Wein“, so beschreibt Paul Kleinschmidt seine Kunst. Wie kein anderer Künstler seiner Zeit nimmt er in seinen Bildern die genusssüchtige Berliner Gesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts ironisch kritisch in den Blick.
In einer Künstlerfamilie aufgewachsen, war Kleinschmidt geprägt von der Welt des Theaters und dem damals überschäumenden Lebensstil Berlins.
Daneben verdeutlichen seine Stillleben in ihrer strahlenden Helligkeit und der Vertiefung des Malerischen den Reiz des Vergänglichen. Seine Landschaftsbilder erweisen sich als Fabrik- und Großstadtreportagen oder als Reisedokumente durch Schwaben und Südfrankreich.
Die leidenschaftliche Malerei Kleinschmidts wird durch seine Zeichnungen, Radierungen und Lithografien ergänzt. In diesen Papierarbeiten erweist sich der Künstler sowohl als technischer Meister wie auch als subtiler Beobachter der Gesellschaft.
Ein Zeitgenossen Max Beckmann, Otto Dix und George Grosz
Paul Kleinschmidt gehört zur Generation des Nachexpressionismus und der Neuen Sachlichkeit. Mit seinem sozialkritischen Verismus bleibt er jedoch neben berühmten Zeitgenossen wie Max Beckmann, Otto Dix oder George Grosz ein singulärer Einzelgänger und Außenseiter. Dennoch hat kein anderer deutscher Künstler das Berliner Großstadtmilieu der 1920er und 1930er Jahre so variantenreich und eindringlich als Welt der Bühne festgehalten, wie Kleinschmidt. Dies macht ihn so einzigartig in der Kunstgeschichte.
Publikationen zur Ausstellung
Zur Ausstellung liegen drei grundlegende Publikationen zu Leben und Werk des Künstlers auf: - Günther Wirth: Paul Kleinschmidt. Mit einer Biographie von Maria Salzmann Kleinschmidt, Stuttgart 1988 (15 Euro)
- Kat. Paul Kleinschmidt. Gemälde aus der Sammlung Deyhle, Kunsthalle Tübingen, Von der Heydt-Museum, Wuppertal u.a., Ostfildern 1997 (18 Euro)
- Kat. Paul Kleinschmidt. Zwischen Bar und Boudoir. Malerei, Ulmer Museum, Pfalzgalerie Kaiserslautern u.a. Ulm 2003 für (10 Euro)
Alle drei Kataloge zusammen im Verkauf kosten 38.Euro und sind über das Museum (Tel. 0941.297130) zu beziehen.
Zur Museumsnacht am 20. Juni 2009
19.06.09 - online redaktion
