Suchen

    klick Kultur - Kultur klick
    Artikelnummer:
    Artikel:

Meldungen

    Politische Kultur
    Stadtrat Benedikt Suttner bleibt stark: Er lehnt Freikarten für die Schlossfestpiele und WM-Baseball-Spiele ab und stellt damit grundsätzlich die "Zuwendungspolitik" für die ehrenamtlichen Bürgervertreter infrage.

    Digitale Nomaden
    Universitätsbibliothek Regensburg unterstützt den Aufbau einer Datenbank zum Thema Tourismus und Reisen.

    Büchereien in den Ferien geöffnet
    Stadtbüchereien stehen während der Sommerferien nahezu wie gewohnt zur Ausleihe offen.

    Qingdao achte Partnerstadt
    Die aufstrebende junge Millionen-Metropole an der Küste des chinesischen Meeres wird Regensburgs achte Partnerstadt.

Video der Woche

    Jeden Tag ein Porträt-Foto, 2356Tage, 2356 Fotos. Mit Musik von Carly Comando hinterlegt. Stop Motion in Progress.

Internetzeitung

Barockbrei

Es gibt Momente – in mancher Pressekonferenz, mitunter auf Vernissagen, während Kino- oder Theaterdarbietungen –, da wünscht man, Jonathan Meese schöbe mittendrin seinen feisten Körper herein, in seiner schwarzen uniformartigen Gewandung, und begrüßte, laut und in seiner markanten guturalen und quäkend hellen Stimme, die Verlautbarungen oder künstlerischen Darbietungen störend, mit einer Art römischem Gruß die Anwesenden, gösse etwas Farbe auf den Boden, beschmiere dann ocker, grün und rosa die Wände.

 Gestern war wieder so ein Moment. Es war zum „1. H(a)endel-Fest“ geladen. Vielmehr zur Generalprobe desselben. Der Titel irritiert, die werden doch nicht… Doch, sie taten! Ich gab mich der trügerischen Hoffnung hin, Erhellendes über „Georg Friedrich Händel“ zu erfahren, den genialen Komponisten, dessen 250. Todestag am 14. April 2009 begangen wurde, jenen „Handel“ oder „Haendel“, der vor seiner Übersiedlung nach London in Deutschland noch „Händel“ heißt.

Aber nein, es war ein Fest, bei dem erst ein bisschen Händel serviert wurde und hinterher Hendl. Ohne „e“! Soweit so banal, so billig, so flach. Die Nivellierung des Niveaus nach unten scheint in Regensburg, was Kultur anbelangt, keine Untergrenzen zu kennen. Um Missverständnissen vorzubeugen, es handelte sich um eine offizielle Veranstaltung der Stadt Regensburg, kein privater Verein hatte zum „1. H(a)endel-Fest“ in die Minoritenkirche geladen, keine Privatperson, keine Liebhaber und keine jugendlichen Enthusiasten, nein, die Stadt Regensburg! Nun immerhin, das Konzept scheint ausbaufähig: So kann künftig wunderbar Vivaldi mit einer Dackel-Zuchtschau verknüpft werden, Haydn mit paganen Lustbarkeiten, dargeboten von einer stadtbekannten Incentives-GmbH oder Konzerte mit Musik von Ferruccio Busoni, die man mit Dessous-Modenschauen verknüpft.

Als Publikum geladen: Honoratioren und Stützen der Regensburger Gesellschaft, Mäzene, Stadträtinnen und -räte, hohe Geistlichkeit und unverzichtbare Adabeis, wenn es gilt, Multiplikatoren für Ideen, Konzepte, Produkte zu gewinnen. Der Kulturreferent wurde indes auch nicht müde, das neue Bier einer hiesigen Brauerei anzupreisen, deren Bier uns bekanntlich zu Freunden macht. Premiere: Die neueste Kreation aus o.g. Brauhaus, das „Bruckmandl-Bier“, wurde denn auch zu den Hendln gereicht.

Meese, übernehmen Sie!
Die musikalische Seite des „1. H(a)endel-Festes“: Eine schöne Programmzusammenstellung, eine Durchmischung orchestraler und vokaler Werke, die Schwalbennest-Orgel kam, wenngleich nur in einem kurzen „Voluntary“ zum Einsatz, selten Gespieltes vom Meister aus Halle. Das Zusammenspiel der Instrumentalisten präzise, soweit es die breiige Akustik beurteilen lässt, die Sopranistin Gunhild Alsvik durchaus mit Potenzial, mit „geläufiger Gurgel“ gesegnet, fraglos ein Koloratur-Talent, wenngleich – vielleicht aus jugendlichem Überschwang – mitunter unkonzentriert und unnötig allzu sehr ins Körperhafte gleitend. Unpassend die Koketterie ins Publikum bei Sakralwerken, übertriebene und unnötige Forcierungen bei den Fortestellen machten einmal mehr deutlich, dass die Minoritenkirche für derart intime Musikwerke wie gerade die Motette „Silete venti“ ungeeignet ist. Details der Partitur verschwammen im Kirchenschiff. Norbert Düchtel nahm die Tempi in rechter Barock-Manier, folgerichtig deutlich und kontrastreich antithetisch auch in der Dynamik.

Das war also das „1. H(a)endel-Fest“. Wird also ein zweites folgen? Geht es noch platter? Gibt es nicht noch dünnere Kalauer, die man kulturell ausschlachten kann? Wer immer es war, der seinerzeit dem Kulturreferenten in den Arm fiel und den Geißbock verhinderte, der als 2010-Maskottchen durch Berlin getrieben werden sollte, wer immer es war, der dem Kulturreferenten ausredete, „Frauen und Bier“ zu einem Jahresthema zu machen, er sei gepriesen!

Kommentar: Peter Lang

 

 

9.07.09 - online redaktion

Kommentare
Ihr Kommentar
 

 

  

 
 
Internetzeitung | Impressum | ©2009 Verlag Michael Kroll