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"Alles fließt"

Die Abiturfeiern sind allüberall in vollem Schwange, Lobreden werden gehalten und bald schon setzt der Verklärungsprozess der Schulzeit ein. Mit einer kleinen Feier und einer Ausstellung über Entwicklung und Fortschritt im Fach "Kunst" haben die "Englischen" (Mariengymnasium) Kunstinterssierte und verwandtschaftliche Multiplikatoren überrascht. Concetta Cardone, Anna-Maria Dirrigl, Claudia Haschke, Karin Stöckl und Gabriele Weiß haben mit ihrer LK-Betreuerin Dagmar Hinke ihren Output präsentiert. Die Rede des Schuldirektors Dr. Hans Lindner sei im Folgenden wiedergegeben, sie würdigt nicht nur das Schaffen der fünf angehenden Künstlerinnen, sie ist auch ein kulturpolitisches Statement im und für Regensburg 2009.

Grußworte zur Eröffnung der LK-Kunstausstellung „Alles fließt“

Die Bildende Kunst im gymnasialen Fächerkanon lässt Phänomene entstehen, die mit Worten und Argumenten meist nicht erfassbar sind. Sie vermittelt, wie diese Ausstellung mit dem sinnigen Motto „Alles fließt“, Erfahrungen, die auf einem direkten Weg die Qualität von Dingen, Lebewesen oder Situationen begreiflich machen. Oder, wie Kandinsky das noch treffender ausdrückte: „Sie bringt die Welt selbst zum Reden“.
Schon immer hatten die Kunst und deren Schaffende die sensibelsten Antennen für Veränderungen, Gefahren und Beeinträchtigungen. Und seit jeher haben sie und ihre Verursacher den Anspruch erhoben, die Wirklichkeit mitzugestalten. Damit meine ich nicht gerade die momentane unselige Debatte um die hundertwässrige Fassadengestaltung des Regensburger Malermeisters Rebl, der in die Fänge einer autistisch agierenden Zensurbehörde geriet.
Selbstverständlich kann und soll der gymnasiale Kunstunterricht und mit ihm der als G9-Auslaufmodell noch existente Leistungskurs Kunst vor allem dazu beitragen, Verständnis für den Wert und die Schutzbedürftigkeit unserer vorhandenen kulturellen Umwelt zu wecken. Besonders er vermag es, mit seinen flexiblen, alle Sinne ansprechenden Vermittlungsmethoden über das Rationale hinaus solche Probleme im Bewusstsein unserer Zeitgenossen zu verankern.
Mit ihrer unerschöpflichen Palette von Sehweisen und Betrachtungen ist die facettenreiche wie fluxushafte Methodik des Kunstunterrichts geradezu prädestiniert, unsere Schülerinnen dazu anzuregen, von eingefahrenen, klischeehaften Gewohnheiten abzulassen, spießbürgerliche Vorurteile nicht fortzusetzen, sondern wieder gut zu machen und auf überzogene Ansprüche oder arrogante Besserwisserei gegenüber unseren Mitmenschen zu verzichten und lieber selbst schöpferisch tätig zu werden.
Die fünf Kunstleistungskurs-Teilnehmerinnen Concetta Cardone, Anna-Maria Dirrigl, Claudia Haschke, Karin Stöckl und Gabriele Weiß mit ihrer Kursleiterin Frau M. A. Dagmar Hinke verstehen es offensichtlich hervorragend, zu beobachten. Die Art und Weise, ihre Beobachtungen effizient und originell bildnerisch umzusetzen, verblüffen oder irritieren zunächst einmal den Betrachter der ausgestellten Zeichnungen, Malereien, Plastiken, Druckgraphiken und Photographien zu Themenfeldern wie „Stühle in freier malerischer Umsetzung als Hommage an die vergangene Schulzeit“, „Bewegung – abstrakt in Form von Seifenplastiken formuliert“, „Fotografien urbaner Situationen der Leere“, „Anwesenheit abwesender `Bewegung`“ oder „Stillebendialog als gegenständlicher Stilmix“, um nur einige wenige zu fokussieren. Gleichzeitig lenken die ausgestellten Arbeiten unsere Aufmerksamkeit in neue Richtungen abseits der eingespielten Sehgewohnheiten, abseits von geläufigen Auffassungsweisen und Motiven.
Unsere Kollegiatinnen mit ihrer Kursleiterin Frau M. A. Dagmar Hinke interessierten vor allem das naheliegende und vermeintlich Unspektakuläre. Die ausgestellten Werke akzentuieren geradewegs das, worüber man meist hinwegsieht. Sie präsentieren einen Perspektivenwechsel, der vor allem ungewohnte Wahrnehmungshorizonte provoziert.
Ich wünsche dem anwesenden Publikum angesichts der ausgestellten Unikate die eigene Gefühlswelt anregende Assoziationen sowie interessante Gespräche mit den Ausstellenden und deren Kursleiterin, die anschließend gerne bei einem kleinen Imbiss inklusive Getränk Ihre Fragen beantworten.
Herzlichen Dank für die geschenkte Aufmerksamkeit!

Dr. Hans Lindner, OStD

 

1.07.09 - peter lang

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